Mit der AIDAcara in Südamerika unterwegs
- Reisebericht vom 19. Dezember 2010 - 2. Januar 2011 -


26. Dezember 2010: Itajaí


Heute steht ein weiterer Ausflug in Itajaí an - nach Deutschland. Da unsere Liegezeit allerdings nur bis 18.00 Uhr geht, würde das zeitlich relativ eng - deshalb fahren wir nur nach Blumenau, einer Stadt mit rund 300.000 Einwohnern, etwa 50 km im Landesinneren gelegen.

Das morgendliche Ritual (Aufstehen, Waschen, Frühstück) überspringe ich heute mal und steige gleich in der AIDA-Bar ein, in der wir uns zu unserem Ausflug treffen.

Es gelten die gleichen Regeln bezüglich technischer Geräte wie gestern, so dass meine SLR-Kamera wieder dabei ist (hat gestern übrigens niemanden interessiert). Interessante Begebenheit am Rande: eine Mitreisende fragt den Scout, ob den eine kleine Videokamera zulässig wäre - was dieser erwartungsgemäß bejaht. Sie läuft zu ihrem Mann, teilt ihm mit: „Du kannst Deine Videokamera doch mitnehmen hat der Scout gesagt.“, worauf er - ziemlich trocken - antwortet: „Na dann hopp, Du weißt ja, wo sie liegt.“ Und schon ist sie unterwegs - da scheinen sich auch zwei gefunden zu haben …

"Willkommen"Doch zurück zum Thema … wir sitzen endlich im Bus (eine Kabine hat gefehlt, am Ausgang drängeln die Damen zu ihren Gatten, es wird zum Bus gedrückt und geschoben, obwohl für jeden ein Sitzplatz im Bus zur Verfügung steht … naja, der ganz normale Ausflugswahnsinn halt. Und - „je oller, je doller“ stimmt - von wenigen Ausnahmen abgesehen - wirklich.

Während unserer Fahrt erfahren wir von unserer Reiseleiterin - nichts. Sie weiß zwar ihren Namen und auch grob, was wir heute machen … mehr aber auch nicht. Schwaches Bild - da sind die anderen Busse dieses Mal im Vorteil. Aber wir haben Glück im Unglück: unser Bord-Lektor Knut ist als Dolmetscher in unserem Bus dabei - er hat zwar nicht viel zu übersetzen, kann aber aus seinem eigenen Wissensschatz und den Informationen, die er auf der letzten Reise mitnehmen konnte, uns durchaus viele interessante Dinge erzählen, so dass die Fahrt nach Blumenau doch viel interessanter wird als sie es hätte werden können.

Rathaus BlumenauDer Name „Blumenau“ geht dabei auf den deutschen Apotheker Dr. Hermann Blumenau zurück, der Mitte des 19. Jahrhundert hierher ausgewandert ist und zusammen mit anderen Auswanderern eine deutsche Siedlung errichtet hat (nicht zu verwechseln mit einer „echten“ Kolonie wie z.B. Deutsch-Süd-West-Afrika, dem heutigen Namibia).

Und so kommt es, dass wir in Blumenau durch die „Rua Müller“ fahren oder den „Supermercado Koch“ sehen, während wir auf dem Weg zum Wohnhaus von Hermann Blumenau (heute ein kleines Museum) sind.

Richtig deutsch wird es dann aber erst in der „Vila Germãnica“ - hier gibt es Fachwerkhäuser, nach dem Reinheitsgebot gebrautes Bier („Wunderbier“ oder „Eisenbahn“), Schwarzwälder Kirsch - und deutsche Sprache. Man wird im „Andenkenladen“ ebenso auf Deutsch begrüßt wie im „Parkrestaurant“.

In der jüngeren Generation sprechen allerdings nicht mehr alle Deutsch. Es gibt zwar nach wie vor deutsche Schulen, an denen man sogar das Abitur erwerben kann, das als Zugangsberechtigung für alle deutschen Hochschulen gilt, allerdings wird in vielen Familien zu Hause nicht mehr Deutsch gesprochen - dies ist auf die Nazizeit zurückzuführen, in der es in Brasilien - wie auch in anderen Ländern - verboten wurde, Deutsch zu sprechen, so dass von der Kriegsgeneration die deutsche Sprache nur wenig genutzt werden konnte.

Vila GermanicaWunderbierBlumenau ist übrigens noch aus einem anderen Grund interessant - wegen des Oktoberfestes, das hier jedes Jahr für drei Wochen im Oktober stattfindet. 600.000 Besucher kommen jedes Jahr zu diesem Fest, das - in Anlehnung an das in München stattfindende Oktoberfest gestaltet - zum einen das größte Oktoberfest außerhalb Deutschlands ist und - viel spannender - das zweitgrößte Fest in ganz Brasilien ist - nach dem Karneval in Rio.

Gerade noch rechtzeitig zum Mittagessen kommen wir zurück aufs Schiff … die Kamera hat erwartungsgemäß auch heute nicht für Unruhe bei der Rückkehr gesorgt - von daher sollte man das vielleicht wirklich nicht zu eng sehen … wobei ich natürlich nicht weiß, was passiert, wenn das dann doch mal einer richtig ernst nimmt. Aber egal, hat ja gepasst …

Wettertechnisch ist der Tag heute übrigens optimal gewesen - während des Ausflugs ist es trocken, aber bewölkt gewesen (daher auch nur 26°C), so dass wir ohne Sonnenbrand zurück aufs Schiff kommen. Und genau jetzt kommt die Sonne mit aller Macht hinter den Wolken hervor, so dass die 30°C-Marke ruck-zuck gerissen ist und ich schon wieder in der Sonne brate … wie gehabt allerdings nur überschaubar lang.

Den restlichen Nachmittag verbringe ich daher mit Sauna und Lesen - im Saunaruheraum ist es wenigstens schattig. Tja, und wenn man so im Saunaruheraum liegt, hat man ja meistens viel Zeit und kann seine Mitreisenden gut beobachten … und da fällt mir doch in der Tat wieder etwas auf, was man eigentlich mal näher untersuchen müsste: neben dem Getränkespender steht immer eine Schüssel mit frischem Obst - heute gefüllt mit Bananen und Orangen. Die Schüssel ist sehr begehrt, das Obst wird gern genommen - aber immer in der Kombination Mann/Banane, Frau/Orange. Es gab davon nur eine Ausnahme (ein Mann hat eine Orange genommen), aber das hat nach längerer Beobachtung seines sonstigen Verhaltens trotzdem noch ins Schema gepasst … ;-) Aber warum ist das so? Hat das was mit der Form der Banane zu tun (oder mit deren Größe?) Oder liegt das nur daran, dass die Banane einen Aufreißmechanismus besitzt und die Orange mangels eines solchen mittels Werkzeug geöffnet werden muss? Ob’s dazu eine Studie gibt? Muss ich wohl mal googeln ….Ach ja, bevor dumme Fragen kommen - ich habe auch eine Banane genommen … weil’s einfach einfacher ist ;-)

Der Abend verläuft dann in gewohnter Manier: das Abendessen gibt’s heute im Calypso („California“) obwohl ich im Marktrestaurant („Orientalische Genüsse“) sicher auch Spaß gehabt hätte … aber alles geht nun mal nicht (rein).

Beim Bingo bestelle ich daher auch zunächst mal meinen obligatorischen „Mit-ohne-mit-mit“ bevor bei einem „Mexican Blue“ die erste Kugel rollt. Irgendwie fängt es heute auch richtig gut an - nach wenigen Kugeln schont bahnt sich ein kleines Bingo an … lediglich die 23 fehlt noch. Natürlich kommt sie nicht … aber der restliche Schein sieht ganz gut aus. Ich bin auch ziemlich früh an der Säule (an der man bei nur noch zwei fehlenden Zahlen steht), kann dann die „Kohle schon riechen“ (eine fehlende Zahl) und dann - wird die 23 gezogen: „Bingo!“

Was lange währt, wird endlich gut … 154,00 € wechseln den Besitzer. Wird ja auch mal Zeit … schließlich mach‘ ich da ja schon lange genug mit … Das Feiern verschieben wir aber auf morgen, da im Theater schon die nächste Veranstaltung vor der Tür steht und meine beiden „Bingo-Tisch-Kollegen“ sich in die Jury beworben haben … Na, mal sehen, was das gibt …

Ich lasse es jetzt ruhig angehen, löse meinen Vielfahrer-Cocktail-Gutschein in der AIDA-Bar ein, beantworte ein paar E-Mails, bringe meine Fotos auf Vordermann und schreibe nieder, was heute so passiert ist, bevor ich dann - nach dem Zurückstellen meiner Uhren auf die Ortszeit von Buenos Aires - müde in meine Kabine falle (also natürlich ins Bett).


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