Mit der AIDAaura auf dem Weg nach Asien
- Reisebericht vom 11. - 25. Oktober 2010 -


23. Oktober 2010: New Mangalore (Indien)


Und täglich grüßt das Murmeltier ... so ähnlich geht es hier mit den Landgangskarten zu. Für New Mangalore ist ebenfalls wieder eine solche erforderlich - dieses Mal in DIN A5 vom Abreißblock. Zwischen 7.00 und 8.00 Uhr wäre diese in der AIDA-Bar abzuholen - da liegt das Schiff aber noch nicht einmal im Hafen ... von daher heißt es jetzt erst einmal warten - auf das Anlegen, auf die Behörden, auf den Tee, den die Beamten zuerst noch trinken und dann auf etwa 1.200 Stempel und Unterschriften. Ich beschließe, mich daher zunächst dem Frühstück zuzuwenden - unser Ausflug wird dann ja wohl auch später beginnen.

Unterwegs in IndienAnschließend geht's dann ganz schnell - und ich kann auch gleich in das Theater weiter gehen, wo wir uns zu unserem Ausflug "MAN01 - Kultur und Geschmack" treffen. Auf dem Programm steht die Statue von Gomateshwara in Karlaka, Dr. Soan's Farm und der Tempel der Tausend Säulen ... ich bin gespannt - hoffentlich gibt das keinen Kulturschock ... ;-)

Vor dem Schiff warten bereits einige Busse auf uns - und das ist auch schon die erste Überraschung: einige davon sind mehr oder weniger normale Reisebusse, andere Busse so ähnlich ausgestattet wie Linienbusse bei uns - zum Glück mussten wir nicht auch noch die Stehplätze belegen. Aber gut - wir sind nun mal in Indien ... da sind wir mit diesen Bussen schon richtig gut dran, wie wir später noch zu sehen bekommen werden.

Deutschsprachige Reiseleiter sind hier natürlich auch eher nicht aufzutreiben - von daher begleitet uns ein Inder, der angibt, er spräche Englisch. Nun ja, einige wenige Worte waren tatsächlich zu verstehen - der Rest muss eine andere Sprache gewesen sein ... Da ich aber ab und an schon mal mit indischen Kollegen geschäftlich zu tun hatte, wundert mich das nicht wirklich - die indische Aussprache englischer Wörter hört sich nun einmal so an, als ob sie eine Socke im Mund hätten. Da er aber sowieso nicht so viel gesagt hat, war das auch nicht so richtig schlimm ...

Unterwegs in IndienUnd dann ging sie los - unsere "Abenteuertour". Die Fahrt zu Dr. Soan's Farm sollte eine halbe Stunde dauern - gedauert hat sie dann rund dreimal so lange. Wir sollten aber später feststellen, dass hier jede Fahrt eine halbe Stunde dauert - zumindest laut unserem Reiseleiter - und das absolut nichts mit der tatsächlichen Dauer der Fahrt zu tun hat ... auch den Grund hierfür haben wir dann später erfahren: weder der Busfahrer noch der Reiseleiter kennen sich hier wirklich aus. Die Busse kamen aus den verschiedensten Teilen Indiens, da es hier nicht ausreichend Fahrzeuge gibt, die zumindest dem Linienbus-Standard entsprechen - und daher können sich die Busfahrer nicht wirklich orientieren. Und der Reiseleiter? Nun, der guckt zwischendurch immer mal wieder an Kreuzungen aus der Tür und fragt nach dem Weg ... ;-)

Unterwegs in IndienBei dieser Fahrt ins Landesinnere ist also der Weg das Ziel - und der ist wirklich sensationell. Zunächst fahren wir eine Straße, die man als eine Art Autostraße/Autobahn bezeichnet - vorstellen muss man sich das wie einen schlecht gepflegten Feldweg, auf den man irgendwann mal ein bisschen Asphalt geschüttet hat. Gegen Ende der Fahrt verschlechtert sich der Weg dann zusehends, die wenigen Brocken Asphalt weichen einer Schicht aus Schutt und Lehm und die Schlaglöcher werden mehr und tiefer. Dennoch fährt unser Fahrer - um es deutlich zu sagen - "wie eine gesengte Sau"; die wesentlichen Elemente im Fahrzeug sind Gaspedal und Hupe - er schießt mit dem Bus um unübersichtliche Ecken als hätte er einen Röntgenblick. Ab und zu wird auch mal ein anderes Fahrzeug oder ein Tuk-Tuk abgedrängt - ein bisschen Schwund ist halt immer ... Ich habe übrigens mal gezählt - in einer Minute hupt er 17 Mal ...

An unserem ersten Ziel, Dr. Soan's Farm, entschuldigt sich der Reiseleiter übrigens für die falsche Zeitangabe. Schuld wäre der gestrige Regen gewesen - dadurch wären die Straßen nicht so gut befahrbar und der Busfahrer hätte langsam fahren müssen ... ich möchte nicht wissen, wie das gewesen wäre, wenn der schnell gefahren wäre ... ;-)

Apropos Regen - genau der hat vor fünf Minuten wieder angefangen ... wir kommen im strömenden Regen bei Dr. Soan's Farm - vor vielen Jahren von einem ausgewanderten Deutschen gegründet - an, so dass die geplante Führung über die Plantage, auf der tropische Früchte und exotische Gewürze angebaut werden, buchstäblich ins Wasser fällt. Nach einer kurzen Erfrischung geht es daher relativ schnell in Richtung des Steinkoloss von Gomateshwara - Dauer: eine halbe Stunde ;-)

Unterwegs in IndienNatürlich stimmt auch diese Zeitangabe nicht - nach wenigen Minuten sind wir da. Es regnet noch immer - dafür inzwischen noch ein bisschen stärker -, so dass nur ein Teil der Ausflügler den Weg nach oben über mehr als 200 Steinstufen auf sich nimmt. Ich gehöre nicht dazu und bleibe im Bus - muss ich mir halt zu Hause mal in Wikipedia durchlesen, was ich verpasst habe... In jedem Fall verpasst habe ich jedoch, völlig durchweicht ohne ein trockenes Stück Stoff am Körper in den Bus zurückzukommen - das macht sich jetzt richtig gut mit der auf 16°C eingestellten Klimaanlage ... ;-)

Tempel der 1000 SäulenIch hoffe daher auf Regenfreiheit am letzten Ziel unserer Fahrt, am Tempel der Tausend Säulen in Moodbidri. Die "halbe Stunde Fahrt" dauert 45 Minuten und der Regen begleitet uns. Einen kurzen Blick von außen riskiere ich, den Besuch der Tempelanlage ohne Schuhe und Strümpfe schenke ich mir - den Weg auf wasserüberfluteten Steinen muss ich nicht haben.

Ich tröste mich, dass ich viel vom indischen Leben auf dem Land gesehen habe - immerhin fahren wir jetzt noch "eine halbe Stunde" zurück zum Schiff. Dort werden wir in etwa sechzig Minuten ankommen - bis dahin jedoch sind an jeder Straßenecke neue Eindrücke zu sammeln.

Vielleicht nicht ganz so dramatisch wie in den Slums von Mumbai aber auch nur etwas besser. Dreck, Abfall und Holzhütten, die aussehen, als ob sie aus genau dem zusammengenagelt wurden, was gerade irgendwie da und nicht schon an ein anderes Haus genagelt war, säumen unseren Weg. Dazu immer wieder eine Art Laden - hier hängt dann so etwas wie ein Schild über der offenen Vorderseite einer solchen Hütte -, in dem man die verschiedensten Sachen kaufen kann. Überall laufen Hunde, Ziegen und Kühe herum (wobei offensichtlich nur die Kühe nicht überfahren werden dürfen), in deren Dreck sitzen dann spielende Kinder und vor jedem Haus sitzen Männer und warten - auf was auch immer ...

Es wird ja immer davon gesprochen, dass Indien ein Schwellenland sei - ich bin mir nicht so sicher, an welcher Schwelle dieses Land aktuell steht ... wenn man die Schwelle zu einer Industrienation meinen sollte, dann ist die aber noch verdammt hoch ...

Stromanschluss leicht gemacht ...Allein wenn man etwas aus Metall sieht, kann man zu 100% davon ausgehen, dass es verrostet ist. Wirft man einen Blick auf die Infrastruktur, stellt man fest, dass die Mobilfunknetze wohl sehr gut ausgebaut sind (selbst in der Wildnis bieten sich fast zehn verschiedene Provider zur Auswahl an), Telefon und Internet aber eher Mangelware sind. Und der Strom kommt hier primär nicht aus der Steckdose sondern wird mit abenteuerlichen Konstruktionen aus irgendwelchen Oberleitungen abgenommen - hier gilt noch das mathematische Gesetz, dass die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten eine Gerade ist: von der Oberleitung zum Haus wird ein gerades Kabel gespannt - und fertig ist der Hausanschluss ...

Von daher bin ich auch heute wieder froh, zurück auf dem Schiff zu sein - eine Dusche zu nehmen und den ganzen Dreck in der Sauna heraus zu schwitzen - zumindest kommt mir das so vor ... und ich höre von "Mitschwitzern", dass die das so ähnlich empfinden ...

Das Abendprogramm an Bord entspricht dafür wieder dem AIDA-Standard: Bingo (reden wir nicht darüber) und Abendessen - heute orientalisch im Marktrestaurant - leiten den Abend ein, der eigentlich mit dem Alpenglühn in der Anytime Bar weitergehen sollte. Statt dessen wird es jedoch ein gemütlicher Abend an der Ocean Bar (immer noch die beste Bar auf dem Schiff) auf Deck 7, in der ich bis Mitternacht mit meiner "Jeep-Begleitung" aus dem Oman zusammensitze und plaudere ...


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