Mit der AIDAaura auf dem Weg nach Asien
- Reisebericht vom 11. - 25. Oktober 2010 -


21. Oktober 2010: Mumbai (Indien)


Mumbai, ehemals Bombay, eine Metropole mit geschätzt 15-20 Mio Einwohnern ist unsere erste Station in Indien. Die Einreiseformalitäten haben wir ja bereits hinter uns bringen können, so dass der heutige Landgang problemlos vonstattengehen sollte. Zunächst aber stehen die morgendlichen Prozeduren wie Badbesuch und Frühstück an, bevor wir uns um 8.45 Uhr an der Rezeption treffen. AIDA-Profis werden sich jetzt wundern, dass der Treffpunkt für einen Ausflug die Rezeption ist - dafür gibt es aber eine einfache Erklärung: es ist kein AIDA-Ausflug sondern ein selbst organisierter Tagesausflug einiger "AIDA-Fans" aus dem Forum (http://www.wasserurlaub.info). Yvonne hat sich hier freundlicherweise intensiv mit den Angeboten der lokalen Anbieter beschäftigt und einen Ausflug bei "Mumbai Magic", bei dem wir in Kleingruppen (wir sind zwei Gruppen mit jeweils acht Teilnehmern) die "Must-See"-Sehenswürdigkeiten besuchen - und das mit deutschsprachiger Reiseleitung für relativ wenig Geld (2.500 INR pro Person (etwas weniger als 40 EUR) inkl. indischem Mittagessen).

MumbaiMumbaiAber beginnen wir von vorn ... Direkt vor dem Hafengebäude erwartet uns Freni, unsere Reiseleiterin für den heutigen Tag, zusammen mit einem Kleinbus mit Fahrer - und der ist für indische Verhältnisse relativ gut ausgestattet: die Tür und die meisten Fenster lassen sich öffnen und schließen, die Sitzplätze sind mit Sicherheitsgurten ausgestattet, die zumindest teilweise funktionieren, es gibt eine hervorragende Klimaanlage (da ist dann wieder das Problem mit den 30°C schwüler Hitze draußen und 16°C eisiger Kälte drin) und eine Kühlbox mit Wasserflaschen und Coladosen. Es hätte durchaus schlimmer kommen können ...

Zunächst müssen wir uns noch einer kurzen Kontrolle am Hafenausgang unterziehen (ich hatte mich schon gewundert warum im Hafenterminal sich niemand für uns interessiert hat) - unsere gelben Landgangskarten wurden intensiv mit der Kopie des Reisepasses und den jeweiligen Gesichtern verglichen - und dann geht es raus, raus aus unserer in eine andere Welt ...

Ich hatte in meinem Bericht über Port Said und Kairo schon einige Worte über die Sauberkeit verloren und dachte, insbesondere bei der Fahrt auf dem Nil, bereits das untere Ende der Skala gesehen zu haben ... da wusste ich allerdings noch nicht, dass die nach unten offen ist, und es noch weiter nach unten gehen kann. Man fühlt sich selbst allein schon dadurch dreckig, dass man sich in dieser Atmosphäre bewegt - und das sollte noch extremer werden. Ich werde hier übrigens die Eindrücke so wiedergeben, wie ich sie empfunden habe - sicherlich subjektiv, aber im Gespräch mit meinen Mitreisenden stelle ich später fest, dass das praktisch allen so gegangen ist. Wer sich damit nicht beschäftigen möchte, sollte dann idealerweise beim morgigen Tag weiterlesen - da wird es dann etwas besser ...

Gateway of IndiaAltes Taj Mahal HotelUnser erstes Ziel sind zwei Highlights: das "Gateway of India" und das 1903 eröffnete "Taj Mahal Hotel". Das Gateway of India ist das Wahrzeichen Mumbais - hier legten früher die Schiffe aus Europa an. Sieht ein bisschen wie aus wie der Triumphbogen in Paris und ist von einem großen Platz umgeben, an dem wir die erste Berührung zur indischen Bevölkerung haben. Bettelnde Kinder und aufdringliche Ramschverkäufer - allerdings noch aggressiver und aufdringlicher als seinerzeit in Kairo. Man hat praktisch keine Chance, sich ihrer zu erwehren. Manch einer berichtet gar von bettelnden Kindern, mehr oder weniger unbekleidet und mit Dreck verschmiert, die sich regelrecht an einem festgehalten haben und nur mit Mühe an der Bustür abzuschütteln waren.

Weiter geht es zu einer sogenannten Freiluftwäscherei - seit mehr als 130 Jahren wird dort gewaschen und getrocknet. Die Ausflugsbroschüre von AIDA schreibt hierzu: "Ein farbenfrohes Treiben fürs Kameraobjektiv präsentiert sich in der riesigen Freiluftwäscherei Mumbais ... FreiluftwäschereiEin Blick auf das geschäftige Treiben ist aber nur aus einiger Entfernung möglich." Nun, wir "Individualisten" konnten da etwas näher ran - besser gesagt sind wir "mittendrin statt nur dabei". Freni führt uns zu "ihrer" Wäscherei und zwar mittenrein ins "farbenfrohe Treiben". Das stellt sich für uns dann so dar, dass ich mich angesichts des Elends dort kaum traue, irgendetwas zu fotografieren - ich bin mir noch nie im Leben so fehl am Platz vorgekommen wie hier. Wir, die wir wahrlich auf der sonnigsten Seite des Lebens stehen, im direkten Kontrast zu Menschen, die jetzt noch nicht wissen, ob sie heute Abend etwas zu essen haben werden. Wer den Film "Slumdog Millionaire" gesehen hat, kann sich das vielleicht etwas vorstellen - und genau so ist das hier. "Männer" in diesem Zusammenhang beginnt hier übrigens bei etwa 4 Jahren und ist nach oben offen: hier rennen nackte Kinder im Dreck zwischen gemauerten Waschplätzen herum und bringen Wäsche von einem zum anderen während Greise, die vermutlich nicht einmal mehr stehen können, auf Wäschestücke einprügeln ... Und wenn man dann noch hört, dass ein Kind hier noch nicht einmal einen Euro am Tag zum Überleben braucht und allein meine Kamera einen vierstelligen Preis hat (ein Kind also rund drei Jahre lang versorgt werden kann), dann fragt man sich in der Tat, ob da alles richtig läuft auf dieser Welt ...

Allzu lange halten wir es hier in der Tat nicht aus - beim Rausgehen werden wir allerdings noch mit der "Toilettenanlage" konfrontiert: eine Art gemauerter Unterstand ohne Tür, mit so etwas wie einem Abfluss (eher eine Rinne, die irgendwohin ins Freie fließt). Die Tatsache, dass dort gerade einer in der Ecke hockt, um seine Notdurft zu verrichten, stört einen vielleicht zehnjährigen Jungen nicht wirklich - er drängelt sich dazu und pinkelt einfach daneben ...

UhrenturmIch bin froh, dass wir wieder auf die Straße kommen - und hoffe, dass es nicht noch schlimmer wird ... Unsere nächste Station ist die Promenadenstraße Marine Drive, heute "Netaji Subhash Road", mit einem tollen Blick auf das Meer und die Skyline von Mumbai - nur wenige Autominuten entfernt von der Wäscherei der totale Gegensatz ... das ist sicherlich eine der schöneren Seiten von Mumbai. Und auch der anschließende Stopp am Universitätsgelände mit dem 85 m hohen Uhrenturm ("Rajabai Clock Tower") gibt uns einen anderen Eindruck von dieser Millionenstadt.

Als nächstes fahren wir in das Finanzviertel von Mumbai - renommierte internationale Banken wie Citi und Deutsche finden sich hier neben den großen indischen Banken und der Börse. Während ein Teil unserer Gruppe sich bei Thomas Cook mit indischen Rupien versorgt, stürze ich mich mit einem Mitreisenden (ebenfalls Banker) in das Abenteuer "Straßenüberquerung und Geldautomat". Ich bin nicht sicher, was die größere Herausforderung ist - die Straße oder der ATM der Citi. Es gibt zwar eine Ampel an der Kreuzung, die zwischendurch für Fußgänger auch ab und an (aber eher selten) auf grün steht, Autos kommen trotzdem irgendwoher (und trotz des Linksverkehrs manchmal auch auf der anderen Spur). Genauso wie es in der Rotphase durchaus auch Gelegenheit gäbe, die Straße zu überqueren - aber auch dann kommen irgendwo immer irgendwelche Autos her. Wir beobachten die Inder, die durchaus zur gleichen Zeit loslaufen - aber nicht unbedingt im Einklang mit der Ampel ... da muss es noch irgendetwas geben, was wir nicht verstehen - vielleicht ist zwischen dem endlosen Hupen der Autos auch ein Signal, dass bedeutet "Geh ruhig, ich bremse dann schon ..." Würde ich mich aber auch nicht drauf verlassen ... auf der anderen Seite: wenn man auf die andere Seite will, muss man irgendwann mal losgehen und drauf hoffen, dass die Autos, Busse und Fahrräder einen nicht umfahren - und irgendwie hat das auch geklappt. Das ist wahrscheinlich wie in Hoh-Chi-Minh-City - da muss man ja auch einfach losgehen, langsam laufen und keine hektischen Bewegungen machen - dann tut Dir da auch keiner was ...

Aber dann kommt die nächste Hürde: der Geldautomat der Citibank. Beim Betreten des Bankgebäudes fallen als erstes die Taschenkontrolle und der Metalldetektor auf - der müssen sich aber nur diejenigen unterziehen, die auch rein wollen - wer nur an den GAA will wie wir kann direkt in die "24-Hour-Banking"-Ecke gehen. Der Automat funktioniert im Prinzip wie unsere - mit einer kleinen Ausnahme: nach dem Einstecken der Karte muss man diese gleich wieder rausziehen, dann Sprache, Betrag, Kontoart usw. wählen und zum Schluss - kurz vor der Auszahlung - die Karte erneut einschieben. Und dann kommt auch Geld raus ... ;-) [@K.-P.: Mach Dir nichts draus - war auch bei mir Zufall, dass ich das gelesen hatte ...]

Victoria Terminus Railway StationWir meistern erneut die Straße - dieses Mal etwas mutiger - und treffen auf die Geldwechsler, so dass wir erneut eine der schöneren Sehenswürdigkeiten Mumbais, die "Victoria Terminus Railway Station", einen im viktorianischen Stil erbauten Bahnhof, der zwischenzeitlich zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, besuchen. Unser Busfahrer hält irgendwo am Straßenrand, lässt uns für einen Fotostopp aussteigen und dreht derweil einige Runden im Verkehrsgewühl.

Apropos Verkehr - dass die Inder fahren wie sie wollen, habe ich ja schon erzählt. Zwei Sachen fallen aber auf - zum einen (ähnlich den Autofahrern in Kairo) hupt jeder - und zwar ständig, immer und überall. Welche Bedeutungen das hat, weiß man nicht wirklich - aber es scheint wichtig zu sein. Zum anderen scheint es nur eine einzige Verkehrsregel zu geben: "Kühe dürfen nicht überfahren werden." Es ist unglaublich - aber in Mumbai stehen immer wieder mal Kühe rum ... für unsere Augen durchaus merkwürdig (aus Hamburg oder Frankfurt kennen wir das so nicht), aber hier Teil des Straßenbildes. Und den Kühen tut hier auch kein Auto was ... aber wehe, ein Fußgänger wagt es die Straße zu überqueren - da wünscht man sich, als Kuh geboren worden zu sein ...

MarktEs ist inzwischen kurz nach elf, so dass uns bis zum Mittagessen noch drei Highlights erwarten. Zunächst fahren wir zum Crawford Market, einem Obst-, Gemüse-, Gewürze-, Haushaltsreiniger-, und Haustiermarkt (vielleicht gibt es dort auch noch andere Sachen - die sind mir dann aber nicht aufgefallen). Wenn die Eindrücke auch nicht so schlimm sind wie in der Wäscherei so ist auch hier keine Rede von irgendwelchen hygienischen Verhältnissen. In den Dreck gefallenes Obst (und wenn ich hier von "Dreck" spreche, dann meine ich nicht das, was wir bei uns zu Hause als dreckig bezeichnen würden) wird von Kindern aufgehoben und gegessen - ich bin immer weniger sicher, ob ich hier etwas zu Mittag essen soll ...

Kinder im MüllAnschließend machen wir einen etwa dreißigminütigen Bummel durch die Nebenstraßen - eine Art Einkaufsstraße mit vielen Läden und Ständen davor. Hier gibt es mehr oder weniger alles - gefälschte Markenware genauso wie geklaute ... und natürlich überall Stände mit Essen - über die hygienischen Verhältnisse hatte ich glaube ich schon gesprochen. In einer Seitenstraße werden übrigens die Abfälle gesammelt - allein beim Vorbeigehen raubt es einem hier den Atem (und das meine ich genauso wie ich das schreibe). Und in dieser Mischung aus Kloake, Essensresten und Müll wühlen Kinder und Jugendliche nach Essen und Dingen, die mehr als nichts wert sind. Für uns einfach nur unvorstellbar ...

Inzwischen wird die drückende Hitze langsam aber sicher unerträglich - das Poloshirt ist seit längerem schon durchgeschwitzt. Obwohl der Tag mit starkem Regen begonnen hat (der allerdings rechtzeitig zu unserer Tour aufgehört hat) hat man bei jetzt rund 30°C immer noch das Gefühl, die Luft würde nur aus Wasser bestehen - das, was wir zu Hause als "schwül" bezeichnen, wäre hier bestes Sommerwetter.

Von daher sind wir alle froh, dass die letzte Station vor dem Mittagessen auf uns wartet: die "Hängenden Gärten" auf dem Malabar Hill. Und siehe da - wieder nur wenige Fahrtminuten entfernt treffen wir auf ein vollkommen anderes Bild von Mumbai: eine grüne Parkanlage, zurechtgestutzte Bäume, blühende Pflanzen - der Park könnte auch in Barcelona, Rom oder Lissabon liegen. Die Gegensätze sind einfach nur unglaublich. Von hier hat man auch einen tollen Blick auf die Skyline von Mumbai mit dem Stadtstrand ...

Mittagessen in MumbaiWir sind jetzt auf dem Weg zu einem typischen indischen Restaurant (allerdings wohl der gehobenen Kategorie), in dem es nur vegetarische Gerichte gibt. Glücklicherweise mit Strickjacke ausgestattet (Stichwort: "Klimaanlage") lasse ich mal auf mich zukommen, was man uns kredenzt. Inzwischen habe ich auch richtig Hunger, so dass ich mich entscheide, die angebotene Nahrung anzunehmen - und ich werde nicht enttäuscht. Zunächst erhalten wir ein großes Edelstahltablett mit mehreren leeren Schälchen. Diese werden nach und nach gefüllt mit verschiedenen vegetarischen Gerichten ("sabazi tari" = in Soße gegartes Gemüse), wobei ich in einem wohl Spinat, in einem anderen Bohnen herausschmecke. Bei allem anderen ist nicht wirklich zu klären, was ich da esse ... ;-) Dazu gibt es verschiedenste Saucen (von wenig scharf bis richtig scharf), ein pikantes Joghurt-Getränk ("lassi") und eine Art Pudding zum Dessert. Dazu gibt es verschiedenste Sorten einer Art Crêpe ("dosa") ... alles sehr, sehr lecker (und wie sich rückblickend feststellen lässt auch gesundheitlich unbedenklich). Immer wenn eines der Schälchen leer zu werden droht, kommt übrigens ein Kellner vorbei und füllt es wieder auf - es ist da gar nicht so einfach aufzuessen ...

Und dann ist der Abschluss unserer Tour gekommen: wir besuchen noch einen Jain-Tempel (eine Glaubensrichtung neben dem Hinduismus und dem Buddhismus) - auch hier kommt wieder der krasse Gegensatz zwischen Arm und Reich zum Vorschein: die Tempelanlage ist sehr gepflegt und zeigt, dass die Jainas (ihr gehören nur 0,5% der Bevölkerung an) eher zu den wohlhabenden Indern gehören.

Von hier fahren wir noch etwa zwanzig Minuten bis zum Schiff - und tauchen wieder ein in eine andere Welt ... in unsere Welt. Die Eindrücke des Tages sind enorm und lassen sich nur schwer verarbeiten und noch schwerer in Worte fassen. Hier trifft die Aussage, dass "man das mal gesehen haben muss" zu 100% zu - durch Erzählungen und durch Bilder lassen sich diese Eindrücke nur unzureichend wieder geben ... und verstehen kann man das schon gar nicht.

Ich bin zumindest froh, erst einmal ausgiebig duschen zu können und gehe danach gleich in den Whirlpool, um anschließend noch den "5-nach-5"-Aufguss mitzumachen - jetzt fühle ich mich wieder sauber.

Weiter geht es im Programm mit dem Abendessen im Marktrestaurant mit Bifteki, Gyros und Tzatziki (dass das Thema "Griechenland" ist, wird jetzt wohl niemanden mehr überraschen), wo wir die Eindrücke des heutigen Tages austauschen, bevor es beim Bingo wieder um die Kohle geht. Astrid, die heute ihren Geburtstag feiert, räumt auch gleich ab: ein kleines Bingo und das große Bingo - was will man mehr zum Geburtstag?

Ansonsten passiert nach dem anstrengenden Tag heute nicht mehr wirklich viel - noch ein Absacker in der AIDA-Bar und dann geht's ins Bett ...


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