Mit der AIDAaura auf dem Weg nach Asien
- Reisebericht vom 11. - 25. Oktober 2010 -


19./20. Oktober 2010: Zwei Seetage - auf dem Weg nach Indien


Der Tag heute beginnt wieder mal mit der Umstellung der Uhren: zum vorletzten Mal auf dieser Reise wird uns Zeit geklaut - jetzt sind wir der deutschen Zeit schon drei Stunden voraus. Morgen dann noch mal eine weitere halbe Stunde (wer hat sich eigentlich diesen Quatsch ausgedacht?) - dann sind wir zeitlich am Ende der Reise angelangt.

Seetag - nur Himmel und MeerDoch soweit ist es noch nicht ... heute steht erst mal ein weiterer Seetag an - allerdings einer mit vielen Terminen. Aber irgendwann muss man ja mal anfangen, sich auf die Rückkehr ins Arbeitsleben vorzubereiten.

Los geht es gleich morgens um 8.00 Uhr mit den Einreiseformalitäten für Indien. Diese sind - wie nicht anders zu erwarten - von AIDA generalstabsmäßig geplant. Seit gestern sind drei Vertreter der "India Immigration Authority" an Bord, die an unseren beiden Seetagen die notwendigen Formalitäten durchführen. Hierzu müssen alle Passagiere zum sog. "Face-Check" (auch Gesichtskontrolle genannt). Getrennt nach Decks müssen alle Passagiere diese Prozedur durchlaufen, um in Indien einreisen zu können.

Start ist in der Nightfly Bar. Hier heißt es zunächst einmal Schlange stehen bis zur ersten Station - der Ausgabe der Reisepässe, des von AIDA bereits mit den persönlichen Daten vorausgefüllten Einreiseformulars sowie den vorbereiteten Landgangskarten für Mumbai und Mormugao. Diese sind zunächst alle zu unterschreiben bevor es zur nächsten Station im Calypso Restaurant geht. Hier wird das Foto im Reisepass mit dem anwesenden Gesicht verglichen - und bei ansatzweiser Übereinstimmung die Einreise mittels mehrerer Stempel auf den Formularen und im Reisepass genehmigt (gut, dass gestern keine Poolparty war - da würde mancher sicher anders aussehen als im Reisepass).

Der nächste Beamte trennt dann mehr oder weniger geschickt ein Teil des Einreiseformulars ab und händigt dies ebenso wie die Landgangskarten und Reisepass wieder aus, wobei sowohl der Reisepass als auch die Landgangskarte für Mormugao an der nächsten Station bereits wieder den Besitzer wechseln. Der Chief Purser sammelt beides wieder ein: der Reisepass wird wohl zunächst nicht gebraucht, die Landgangskarte wird dann in zwei Tagen erneut den Beamten vorgelegt - da kommt dann noch ein Stempel dazu bevor wir sie für den Landgang zurückerhalten. An den unterschiedlichen Visa der Reisenden stört sich zumindest aktuell noch niemand - vielleicht geht es ja tatsächlich gut ...

Tja, und das war's schon: zumindest die Einreise in Mumbai sollte wohl funktionieren - genügend Stempel sind ja auf der Karte drauf ... Jetzt geht's erst Mal zum Frühstück - der Tag wird noch anstrengend genug.

SonnendeckDie Zeit bis zum nächsten Termin um 11.00 Uhr verbringe ich in der Sonne - und sehe das erste Mal auf dieser Reise ein paar Wölkchen. Nichts Dramatisches - im Gegenteil: es ist eher angenehm, dass sich lange Sonnenphasen mit kurzen Schattenphasen abwechseln ... so lässt es sich länger draußen aushalten.

Pünktlich um 11.00 Uhr finde ich mich dann in der Nightfly Bar ein - der Kapitän hat die Vielfahrer erneut eingeladen, um uns noch einige Details über das Schiff näherzubringen. Und was liegt näher, als das direkt an seinem Arbeitsplatz zu machen. Also wechseln wir ein Deck höher und genießen den Einblick auf die und den Ausblick von der Brücke. Und siehe da - der Größenunterschied zur AIDAcara macht sich auch hier bemerkbar - die Brücke ist deutlich größer. Mal schauen, wie das auf den "großen" Schiffen ist ... da steht die Brückenbesichtigung noch aus ;-)

Wir kommen gerade noch rechtzeitig zum Poolbrunch, so dass das Mittagessen heute ausfallen kann und durch ein paar Häppchen auf dem Pooldeck ersetzt wird. Jetzt noch mal für ein Stündchen in die Sonne auf das FKK-Deck, dann seht bereits der nächste Termin an - 14.00 Uhr im Rossini.

Dieses Mal findet hier allerdings kein Essen statt sondern der Start der AIDA Insider Tour. Seit rund vier Monaten wird diese Tour auf allen Schiffen und Routen angeboten nachdem seit 9/11 die Sicherheitsbestimmungen ja massiv verschärft wurden. Bei dieser auf 15 Personen begrenzten "Backstage-Tour" bekommen wir einen gut dreistündigen Einblick in die Bereiche des Schiffs, die man als Passagier normalerweise nicht zu Gesicht bekommt.

Entertainment ManagerNach einem Cocktail zur Begrüßung durch den Entertainment Manager beginnen wir mit unserer Tour im Backstage-Bereich des Theaters. Wir sehen die Garderobe des AIDAaura Show Ensembles sowie den Bedienplatz für die Bühnentechnik und erhalten einige Erläuterungen zum künstlerischen Konzept von AIDA sowie zur Technik des Theaters. Es ist schon interessant zu erfahren, dass selbst das Theater auf den kleineren Schiffen technisch in etwa mit einem Musicaltheater vergleichbar ist ...

Die nächste Station ist die Medientechnik - alles was auf dem Schiff in Form von Bildern oder Tönen verbreitet wird, wird von hier gesteuert: TV-Programm, Bordinformationen, Spielfilme, Steuerung von Durchsagen, Musikuntermalung im Kabinenbereich. Außerdem wird hier der Reisefilm erstellt, geschnitten und vervielfältigt.

Und wieder verschwinden wir hinter einer Tür mit dem Hinweis "Crew only" - schon toll, die Schilder heute mal ignorieren zu dürfen. Wir betreten den Crew-Bereich auf Deck 3 und gehen über eines der Crew-Treppenhäuser hinunter bis in den "Keller" - Deck 1. Und das ist wahrlich eine andere Welt: kaum geht die Tür hinter einem zu, ist man aus der farbenfrohen Welt des Clubschiffs "AIDA" in die Farblosigkeit des Arbeitsplatzes "AIDA" verschwunden. Unverkleidete Metallwände im Treppenhaus, nüchterne Beschriftung der einzelnen Decks und Zonen stehen im krassen Gegensatz zu den bunten Teppichen weiter oben ...

Einige Gänge und Türen später haben wir unser Ziel, die Wäscherei, erreicht. Zwei Waschmaschinen mit jeweils 95 kg und zwei Maschinen mit jeweils 35 kg Füllgewicht sowie zwei Trockner mit zusammen 100 kg Füllgewicht werden hier von insgesamt neun Mitarbeitern bedient. Dazu kommen noch die riesige Mangelmaschine für die Bettlaken sowie eine Schneiderei für die Uniformen. Und das Wäscheaufkommen ist gigantisch: allein rund 5.000 Handtücher werden hier jeden Tag gewaschen, gebügelt und gefaltet. Dazu kommen natürlich noch die Bettlaken und -bezüge, die Kissen und Decken, die Tischwäsche und die Stoffservietten in den Restaurants sowie die Uniformen der Besatzung.

ObstschnitzereienRestaurant ist übrigens das Stichwort ... irgendwo muss das ganze Essen ja sein. Wir gehen also auf die Suche und werden auf Deck 3 fündig - hier hat der Provision Master sein Büro. Und seine Lagerräume. Und die sind seit gestern randvoll - insgesamt elf Container aus Hamburg haben gestern ihren Weg in die AIDAaura gefunden: der Proviant für die nächsten 14 Tage. Und die Mengen sind absolut gigantisch. Alles aufzuzählen wäre hier unmöglich - um aber einen Eindruck zu vermitteln genügen wohl diese Zahlen: 3.500 Eier, rund 600 Liter Bier sowie etwa 750 Liter Rot- und Weißwein - das ist hier der Tagesverbrauch! Für jede Lebensmittelart gibt es dabei separate Kühl-, Frischhalte- und Gefrierräume: von -24°C bis +7°C. Das Sortiment umfasst übrigens mehrere hundert wenn nicht tausend einzelne Artikel - allein 60 verschiedene Sorten Käse wollen immer vorrätig gehalten werden.

Als nächstes ist das "Herz" des Schiffs an der Reihe - der Maschinenkontrollraum. Schiffs- und Elektroingenieure führen uns in die Technik an Bord ein: Hauptmaschinen, Stromaggregate, Wasseraufbereitungsanlage, Klimatechnik, Sprinkleranlage, Recyclinganlage und vieles mehr werden von hier gesteuert und überwacht. So finden wir hier auch die Erklärung, warum am zweiten Seetag die Kabinen etwas wärmer waren als sonst: das für die Klimatechnik notwendige Wasser im Roten Meer war einfach zu warm - die Wassertemperatur von 35,5°C hat die maximal zulässige Temperatur um 3,5°C überstiegen ... Bahnprobleme gibt's also auch in der Seefahrt ;-)

VorspeisenbuffetDie vorletzte Station unseres Rundgangs führt uns auf Deck 8 - die Küche. Hier werden alle Mahlzeiten für die knapp 1.300 Passagiere zubereitet. Die Dimensionen sind einfach gigantisch - Großküche halt. Und noch etwas fällt auf: die Sauberkeit. Dass auf den Schiffen auf Hygiene geachtet wird, ist nicht neu und auch nur zu verständlich - eine Infektion würde sich auf einem Kreuzfahrtschiff rasend schnell ausbreiten. Und auch wir bekommen das zu spüren: bevor wir auch nur einen Schritt in die Küche setzen werden wir mit Einmalanzügen ausgestattet. Es gibt eine absolute Schwarz-/Weiß-Trennung, d.h. Abfälle oder dreckiges Geschirr kommen an keiner Stelle mit Lebensmitteln in Berührung - selbst die Aufzüge zwischen Deck 3 (Lagerräume, Essenvorbereitung) und Deck 8 bzw. 9 (Küche bzw. Restaurants) werden getrennt benutzt, einer für Lebensmittel, einer für Abfälle. Jeder, der Lebensmittel berührt, tut dies mit Einweghandschuhen - und berührt damit nichts anderes (wenn ich da an unsere Cafeteria in der Bank denke ... da werden zwar auch Einweghandschuhe benutzt - allerdings werden damit zuerst Brötchen belegt, dann kassiert und dann die Brötchen in die Auslage gelegt).

Zum Ende der Tour dann das Highlight - die Brücke. Also gut, zumindest für die Nicht-Vielfahrer ;-) Für mich war es eher eine Wiederholung vom Vormittag - aber dennoch interessant, da die morgendliche Führung durch den Kapitän und die zweite durch den Sicherheitsoffizier vorgenommen wurde ... und die Schwerpunkte sind da durchaus unterschiedlich. Von daher konnte ich jetzt zum Thema "Brandschutz" ein bisschen mehr erfahren - das hat sich gelohnt.

Deko vorm MarktrestaurantGelohnt hat sich die Führung im Übrigen allemal. Mit 85,00 € zwar nicht unbedingt ein Schnäppchen (obwohl in dem Preis noch eine "AIDA Inside"-DVD enthalten ist), aber mancher Landausflug mit gleicher Dauer und ähnlichem Preis bietet da weniger. Wer sich also auch einmal für die "andere Seite" des Clubschiffs interessiert, ist hier bestens aufgehoben - zumal die ausführlichen Erläuterungen durch die Leiter der jeweiligen Bereiche erfolgen und daher ausführlich und detailliert sind und auch gestellte Fragen fachmännisch beantwortet werden können. Von meiner Seite also eine klare Empfehlung - auch ich werde die Tour noch einmal machen ... nächstes Jahr auf der AIDAsol.

Seinen krönenden Abschluss findet die Tour übrigens im Rossini - bei einem Gläschen Sekt und Kanapees werden die letzten Fragen beantwortet und der Rundgang mit einem Gruppenfoto beendet.

Der heutige Seetag ist allerdings noch nicht zu Ende. Bevor ich mich in der Anytime Bar beim Bingo einfinde, genehmige ich mir noch den "6-nach-6"-Aufguss in der Sauna zur Entspannung. Das Abendessen verschiebe ich auf später - aber da ist nach dem Bingo ja auch noch Zeit. Auch wenn es heute "nur" 120,00 € sind, würde ich den Gewinn nicht unbedingt ablehnen. Brauche ich allerdings auch nicht, da mir zum Schluss doch noch zu viele Zahlen fehlen. :-( Geärgert haben dürfte sich aber ein Mitspieler, der zwar als erster alle Zahlen ankreuzen konnte, allerdings darauf verzichtet hat, die letzten drei Zahlen an den jeweils hierfür vorgesehenen Stationen zu verbringen - und wer "Aktiv"-Bingo spielt sollte sich dann auch schon an die Regeln halten und nicht nur "auf die Kohle scharf sein". Nach lauten "Buh"- und "Raus"-Rufen hat er das aber auch gleich verstanden ... ;-)

So, jetzt muss ich mich noch zwischen Calypso- und Marktrestaurant entscheiden - im Calypso ist "Australien" das Thema während im Marktrestaurant "Amerika" ansteht. Schlussendlich gewinnen Känguru und Emu aber gegen Burger und Hot Dog ...

Den Abschluss findet mein Tag dann in der AIDA-Bar mit dem Schreiben des heutigen Berichtes - die "Asia-Poolparty" fällt daher für mich aus ...

Halbmond kurz vor IndienSo, es ist jetzt 2.00 Uhr nachts und ich stelle die Uhr auf 2.30 Uhr - die letzte Zeitumstellung dieser Reise. Und die ist mit 30 Minuten so ungewöhnlich, dass es dafür noch nicht einmal eine automatische Ansage gibt - da muss der Offizier noch selbst sprechen (hat er aber schon gestern Abend gemacht und nicht mitten in der Nacht) ;-)

Im Gegensatz zu gestern verläuft dafür der heutige Tag sehr beschaulich ... außer Lesen in der Sonne passiert bis heute Abend erst mal gar nichts (OK, zum Mittag stelle ich mir einen Antipasti-Teller im Calypso zusammen) - aber das ist für den letzten Seetag unserer Reise auch gerade das richtige. Die kommenden vier Tage in Indien werden sicherlich anstrengender.

Das Programm für mich beginnt daher heute erst um 19.30 Uhr in der Anytime-Bar mit dem allabendlichen Bingo. Inzwischen kommen auch durchweg mehr Teilnehmer, so dass es heute schon 240,00 € zu gewinnen gab. Leider haben wir heute alle die falschen Scheine gekauft - weder ein kleines Bingo, geschweige denn das große Bingo oder auch nur ein Glas Sekt in den Schnapszahlen-Runden ... da hat selbst das AIDAaura-Glücksschwein "Keule" nicht mehr geholfen. Morgen müssen wir irgendetwas anders machen ...

Crew meets BandIch nutze jedoch erst einmal die Pause zwischen Bingo und dem zweiten Auftritt des Comedian Don Clarke im Theater für das Abendessen. Heute fällt die Wahl eindeutig auf das Marktrestaurant - "Spanien" ist das Thema ... und damit kann man sich schon mehrere Gänge beschäftigen. Ich nutze auch gleich die Gelegenheit und tausche mich mit einigen AIDA-Fans über die anstehenden Tage in Indien und unsere Ausflüge aus - den ersten machen wir bereits morgen zusammen in Mumbai.

In der nächsten Stunde sind dann die Lackmuskeln gefragt - Don Clarke knüpft mit seinem zweiten Programm direkt an den ersten Teil an ... britischer Humor halt.

Und dann kommt eines der Highlights der Reise - "Crew meets Band" in der AIDA-Bar. Hier geben begabte Crew-Mitglieder (und insbesondere die Philippinos tun sich hier hervor) ihre Sangeskünste, begleitet von der AIDA-Band, zum Besten ... und das kann sich wirklich hören lassen. Manch einer hätte bei DSDS wohl gar keine schlechten Karten ...

Bevor ich jetzt ins Bett gehe, bestücke ich noch meinen Rucksack für den morgigen Ausflug in Mumbai, bereite die (gelbe) Landgangskarte sowie die Kopie des Reisepasses für die morgige Einreise vor und blättere noch einmal im Reiseführer - und damit beginnt das Abenteuer Indien (Wie sagte der Club Direktor so schön: "Sie stellen die Uhr erst 3 1/2 Stunden vor und dann 50 Jahre zurück ..." Ich bin gespannt ...


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