Mit der MS Trollfjord von Bergen über Kirkenes nach Trondheim
- Reisebericht vom 23. Februar - 4. März 2008 -


1. März 2008: Eisbärenclub und Tromsø bei Nacht


Der achte Tag dieser Reise beginnt - nach kurzen nächtlichen Anlegemanövern in Honningsvøg, Masøy und Havøysund - gegen Mittag mit einem 1 ½-stündigen Aufenthalt in Hammerfest, die sich selbst als die "nördlichste Stadt der Welt" bezeichnet (was allerdings auch stimmt). Sie liegt auf demselben Breitengrad wie die nördlichsten Gebiete von Sibirien, der nördlichste Punkt Alaskas, die nördlich von Kanada liegenden Inseln und die Mitte Grönlands. Nur wärmer ist es hier (Dank Golfstrom), allerdings sind -10°C dennoch ziemlich frisch.

Hammerfest - EisbärenclubUnd noch etwas zeichnet Hammerfest mit seinen rund 7.000 Einwohnern aus - es gibt einen örtlichen Verein mit über 200.000 Mitgliedern. Der 1963 gegründete "Isbjørnklubben" (Eisbärenclub) hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Tradition der Stadt Hammerfest als Eismeerstadt zu bewahren und hierzu Geschichte, Kultur, Natur und Leben der Menschen im Rahmen einer umfangreichen Sammlung, u.a. arktischer Tiere und Vögel, für nachfolgende Generationen zu erhalten (http://www.isbjornklubben.no).

Neben Zahlung eines einmaligen Aufnahmebeitrags i.H.v. 160 NOK ist unumstößliche Bedingung die persönliche Anwesenheit bei Beantragung der Mitgliedschaft. Da ich diese Bedingungen - im Gegensatz zu Elvis Presley, dem die Mitgliedschaft aufgrund von Nichtanwesenheit verweigert wurde - erfülle, bin ich nun im Besitz meines Mitgliedsausweises mit der Nummer 224.198 - ob ich allerdings jedes Jahr am dritten Sonntag im Januar zur Jahresversammlung persönlich anreisen werde, weiß ich noch nicht sicher ... ;-)

Natürlich verlasse ich Hammerfest nicht, ohne mir die Ausstellung im Eisbärklub anzusehen (die ich als Mitglied übrigens kostenfrei besuchen darf); neben verschiedenen präparierten arktischen Tieren und Vögeln wird auf Schautafeln und Bildschirmen viel Hintergrundwissen über die Lebensweise der Tiere berichtet. So weiß ich inzwischen u.a. - zumindest theoretisch - woran der bevorstehender Angriff eines Eisbären zu erkennen ist (und dass es dann zu spät sein wird, darüber zu berichten...).

Die schönste Seereise der Welt ...Weiter geht unsere Fahrt in Richtung Tromsø; den Nachmittag mit kurzen Zwischenstopps in Øksfjord und Skjervøy verbringe ich, versorgt durch meine Kaffee-Flatrate, mit einem spannenden Krimi von Andreas Franz in einem der Sessel der Panorama-Galerie und bewundere die nicht endend wollende Fahrt durch die Fjorde und Inseln. Auch das Wetter spielt nach wie vor mit - lediglich einige kleinere Wölkchen sind am ansonsten blauen Himmel zu finden. Und damit ist die offene Seestrecke "Lopphavet" auch relativ ruhig - wobei die Betonung auf "relativ" liegt: aber irgendwie gewöhnt man sich tatsächlich an die ständigen leichten Bewegungen auf dem Schiff und nimmt diese eigentlich nur noch wahr, wenn man seinen Kaffee betrachtet oder bewusst darauf achtet.

MS LofotenUnterwegs treffen wir dann noch die MS Lofoten, das älteste noch in Betrieb befindliche Schiff der Hurtigruten-Flotte. Fast hätte es nicht für ein Foto gelangt, denn die Durchsagen der Reiseleitung erfolgen in der Reihenfolge "norwegisch - englisch - deutsch". Wenn also der norwegische Text lautet: "In zwei Minuten treffen wir die MS Lofoten", dann reduziert sich die Zeit im englischen Text schon auf "In einer Minute ...", so dass im deutschen Text eigentlich die Vergangenheitsform angebracht wäre: "Wir haben soeben die MS Lofoten passiert. Wenn Sie ein Foto machen wollen, denken Sie an Ihr Teleobjektiv ...". Und was lernen wir daraus? Sprachen lernen ist immer sinnvoll ... ;-)

Tromso bei NachtBevor wir kurz vor Mitternacht Tromsø erreichen und einen knapp zweistündigen Aufenthalt einlegen, hat der Küchenchef zum Dinner geladen. Wie immer stehen drei Gänge auf der Menükarte: als Vorspeise wird eine Fenchel-Suppe mit mariniertem Serrano-Schinken, zum Hauptgang Gebratenes Schweinefilet an Jasminreis mit Ananaschutney und Madeirasauce und zum Abschluss Brownies mit Erdnüssen und einem Sorbet serviert. Und auch der Portugieser darf wieder am Mahl teilnehmen ...

Meinen ersten Besuch in Tromsø auf der nordgehenden Route hatte ich ja bereits zur Besichtigung von Eismeerkathedrale und Polaria genutzt (was auch sinnvoll war, da dies jetzt Mitten in der Nacht auch schwieriger gewesen wäre - zumindest außerhalb der Mitternachtssonnenzeit), so dass ich den heutigen Aufenthalt für ein paar nette Fotos der beleuchteten Stadt nutzen kann. Vermutlich aufgrund der mehrwöchigen Dunkelzeit im Winter sind die Norweger alles andere als ein lichtscheues Volk - die Fenster und Häuser sind meist hell erleuchtet, so dass sich hier nette Lichtstimmungen ergeben.


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