Mit der MS Trollfjord von Bergen über Kirkenes nach Trondheim
- Reisebericht vom 23. Februar - 4. März 2008 -


28. Februar 2008: Brückenführung und Nordkap


Aller guten Dinge sind drei - so könnte der heutige Bericht beginnen. Denn wenn auch der gestrige Tag schon der schönste der Reise war, so ist der heutige mit drei Highlights noch einmal auf der Überholspur vorbeigezogen und hat den Titel "schönster Tag" verdient.

Ich lasse die ersten beiden Stunden des Tages jetzt einfach einmal weg, da sich hier keine wesentlichen Unterschiede zu den Vortagen ergeben haben (wenn man davon absieht, dass es heute zum Frühstück u.a. Spiegeleier mit Speck gab - allerdings zu Lasten des gestern servierten Omelettes).

MS Trollfjord - BrückeUnd dann kam schon das erste Highlight - die Brückenführung. Anders als auf den Schiffen der AIDA-Flotte gibt es an Bord der Hurtigruten diese noch. Kurz nach 10 Uhr hat uns Kapitän Tormod Karlsen auf die Brücke gebeten und uns gemeinsam mit seinem Sicherheitsoffizier seinen Arbeitsplatz vorgeführt. Wie nicht anders zu erwarten, hat auch hier der Computer Einzug gehalten und kümmert sich um die Routineaufgaben wie z.B. die Steuerung des Schiffes. Händisch wird eigentlich nur eingegriffen, wenn es um die Steuerung in sehr engen Fjorden geht oder im Rahmen des An- und Ablegens. In allen anderen Fragen verlässt man sich da auf die Technik.

Interessant hierzu sind aber auch die Ergänzungen des Sicherheitsoffiziers, der auf Nachfrage das eine oder andere Detail aus dem Bereich des Brandschutzes berichtet - Stichworte hier sind Brandmeldeanlage, Sprinkleranlage sowie die vorhanden Löscheinrichtungen. Das kommt einem irgendwie alles nicht unbekannt vor und ist auf dem Wasser nicht viel anders als an Land - sogar Laufkarten gibt es direkt neben der Gangway ...

Entgegen meinen ersten Erwartungen gibt es auch keine Berührungsängste in Bezug auf das Fotografieren - somit ist also auch das eine oder andere Foto von und auf der Brücke auf der Speicherkarte verewigt. Zum Abschluss treffen wir uns dann alle noch an der Bar - und genießen auf Einladung des Kapitäns einen netten Cocktail ... OK, "auf Einladung" ist vielleicht übertrieben - immerhin hat die Führung 80 NOK gekostet ;-)

Das Mittagessen fällt zunächst einmal aus, da gleich darauf das zweite Highlight des Tages auf dem Programm steht - der Ausflug zum Nordkap (den im Übrigen knapp 100% der Passagiere mitmachen).

NordkapAuf der etwa 45 Minuten dauernden Busfahrt zum rund 35 km von der Anlegestelle in Honningsvåg entfernten Nordkap erfahren wir von Trond, unserem deutschsprachigen Reiseführer, dass es im Jahr durchschnittlich nur zehn Tage gibt, an denen die Sonne scheint, der Himmel wolkenlos und es praktisch windstill ist. Und - heute ist der erste Tag in diesem Jahr, an dem genau diese Umstände zutreffen. Wahnsinn, oder?

Honningsvåg mit seinen rund 3.500 Einwohnern ist übrigens ein gutes Beispiel für den Aufwand, den der norwegische Staat betreiben muss, um die kleinen Dörfer und Städte an der Küste zu erhalten. Allein die Infrastrukturkosten gehen in die Milliarden - wenn man überlegt, dass hier eine Tankstelle, zwei Supermärkte, ein Flughafen, ein Krankenhaus, ein Kindergarten, eine Grundschule, ein Gymnasium und ein Altersheim betrieben werden müssen, da es aufgrund der Entfernungen und Verkehrsanbindungen keine Möglichkeit gibt, dies mit umliegenden Dörfern und Gemeinden gemeinsam zu betreiben. Übrigens existiert hier auch der einzige staatlich lizenzierte Alkoholverkauf im Umkreis von 200 km.

NordkapDoch zurück zu unserer Fahrt ans Nordkap. Allein die Fahrt durch die verschneiten und unberührten Berge ist schon ein Erlebnis; die letzten zehn Kilometer müssen unsere vier Busse nun im Konvoi hinter einem Schneepflug fahren, der die Straße zum Nordkap in einen befahrbaren Zustand versetzt.

Und dann ist es soweit: wir sind da. Das Ende der Welt - naja, fast. Das Ende des europäischen Festlandes ist erreicht. Was dem einen sein Stromberg, ist dem anderen das Nordkap (Insider!). Jetzt sind es nur noch rund 2.000 km bis zum Nordpol - und dazwischen gibt es nichts außer ein paar Eisbären auf ihren Eisschollen.

Wir haben eine Stunde Aufenthalt, in denen hunderte Fotos geschossen werden, in denen ein Film im 180°-Kino vorgeführt und noch einige Kekse und ein Kaffee zum Aufwärmen serviert wird. Das mit dem Aufwärmen ist übrigens nicht ganz unwichtig: auch wenn es windstill ist, merkt man die Temperatur von -7°C schon ein bisschen - insbesondere dann, wenn man zum Zweck des Auslöserbetätigens auf den rechten Handschuh verzichten muss ...

Auf der Rückfahrt zum Schiff ist es dann verdächtig ruhig im Bus - irgendwie scheint jeder mit den Eindrücken noch ein bisschen beschäftigt zu sein und seinen Gedanken nachzuhängen; zumindest mir geht es so ... das hat heute schon was Einmaliges gehabt - insbesondere wenn man bedenkt, welches Glück wir mit dem Wetter gehabt haben ...

Wir erreichen das Schiff in letzter Minute (OK, vermutlich hätte es gewartet, da ja mehr oder weniger alle Passagiere gefehlt haben) und ich nutze die Gelegenheit, das Aufwärmen im Whirlpool auf Deck 9 zu betreiben - unangenehm ist nur der Moment, wenn man sich aus dem über 40°C warmen Wasser nach draußen in die Umgebungsluft (durch den Fahrtwind etwa -20°C gefühlte Temperatur) begibt (und dabei ja eher dünn bekleidet ist). Vielleicht sollte ich es auch so machen, wie eine mitreisende Japanerin, die sich im Neoprenanzug in den Whirlpool gelegt hat ...)

BuffetBuffetUnd nun zum dritten Highlight: die Küchenbesatzung hat das leere Schiff heute offensichtlich zum umfangreichen Kochen genutzt und anstelle des Menüs mal wieder ein Buffet aufgefahren - "Norwegische Spezialitäten" waren angesagt. Rein ernährungstechnisch war der Tag heute also eigentlich eher eine Katastrophe - aber was will man machen, wenn Königskrabben, Taschenkrebse, Jakobs- und Miesmuscheln, Langustinen und Hummer, Lachs, Dorsch und Hai, Elch und Rentier zum Verzehr angetreten sind? Liegenlassen? Nicht wirklich ... und so liege ich jetzt (nach einem Aquavit an der Bar) in meiner Kabine und verdaue ...

Ach ja, Polarlicht gibt's natürlich auch wieder (was kann an einem solchen Tag auch schiefgehen?) - und das mehr oder weniger den ganzen Abend in regelmäßigen Abständen ...

Tja, und so geht wieder einmal der schönste Tag der Reise zu Ende ;-) Glücklicherweise habe ich die Rundreise bis Trondheim gebucht, sonst wäre morgen in Kirkenes Endstation. Damit muss ich mich nur von meinen beiden Tischdamen verabschieden, die sich mit mir die letzten sechs Tage gemeinsam durch die Menüs und Buffets gegessen haben und morgen Abend bereits den Köln/Bonner Flughafen wiedersehen. Ich schaue derweil morgen erst einmal an der russischen Grenze vorbei ...


[Nach oben]     [Startseite]     [Kirkenes - Wendepunkt der Reise]