Mit der MS Trollfjord von Bergen über Kirkenes nach Trondheim
- Reisebericht vom 23. Februar - 4. März 2008 -


27. Februar 2008: Tromsø, Eismeerkathedrale und Polarlicht


Polartaufe mit König Neptun"Massenflucht aus dem Restaurant" - so könnte die Überschrift des Tages lauten. Doch beginnen wir von vorn. Nach einer (vermutlich) ruhigen Nacht, die gegen 8.00 Uhr zu Ende ist und einem kurzen Frühstück, bittet König Neptun auf das Sonnendeck - die "Polartaufe" steht an.

Diese Taufe darf jeder über sich ergehen lassen, der den Polarkreis überfährt; König Neptun höchstpersönlich ist hierzu an Bord gekommen und ... doch was rede ich hier - fahrt doch einfach selbst mit, dann seht Ihr schon, was Euch erwartet ...

Uns erwartet in jedem Fall noch bis zur Ankunft in Tromsø herrlichstes Winterwetter und hinter jeder Biegung neue Berge, neue Fischerhütten, neue Eindrücke. Auch den heutigen Morgen genieße ich fast ausschließlich auf Deck 8 vor den großen Galeriefenstern.

Zur Stärkung vor dem anstehenden Stadtbummel genehmige ich mir in unserer Cafeteria noch einen Cheeseburger - und dann sind wir auch schon da. 4 ½ Stunden Tromsø liegen vor uns, die ich mit einem Spaziergang durch die Stadt, einem Besuch der Eismeerkathedrale und dem Polaria verbringen werde.

Tromso - EismeerkathedraleMit Hilfe des Stadtplans und des Reiseführers ist der Weg vom Schiff in die Stadt schnell gefunden und entlang der "Storgata" geht es zunächst durch die Fußgängerzone und dann über die gut 1 km lange und bis zu 38 m hohe Tromsøbrua ("brua" heißt Brücke, aber das war Euch wahrscheinlich schon klar) bis zur Eismeer-Kathedrale ("Ishavskatedralen"). Dieser futuristisch wirkende Bau besteht auf der Ostseite aus einem 140 m² großen Glasmosaik (im Übrigen das größte Glasmosaik Europas). Leider wird die Kirche gerade renoviert, so dass man die eine oder andere optische Einschränkung machen muss.

Zurück im Stadtzentrum geht es an einer der größten aus Holz gebauten Kathedralen vorbei; diese bietet 750 Personen Platz und sieht dementsprechend imposant aus.

Auf dem Weg zum Polaria unternehme ich dann noch den Versuch, eine für mich verständliche (d.h. deutschsprachige) Zeitung zu erwerben - das ist im Winter allerdings ein sinnloses Unterfangen (und auch im Sommer ist es nicht viel einfacher). OK, sind halt doch mehrere tausend Kilometer bis in die Heimat ...

Tromso - HafenApropos "Winter": interessant sind hier die Öffnungszeiten der Geschäfte bzw. Attraktionen. Aufgrund der Mitternachtssonne im Sommer und der wochenlangen Dunkelheit im Winter wird hier i.d.R. auch nur zwischen diesen beiden Jahreszeiten unterschieden. Das sieht dann in Extremfällen so aus:

Sommer (1. Juni - 15. August): 8.00 Uhr - 1.00 Uhr
Winter (15. August - 1. Juni): 10.00 Uhr - 15.00 Uhr

Da bekommt man durchaus Lust, das Ganze noch einmal im (hiesigen) Sommer zu wiederholen - und andere Eindrücke zu sammeln.

Knapp einen Kilometer außerhalb des "Sentrum" (neben der nördlichsten Brauerei der Welt) liegt das "Polaria", in dem es um das Polargebiet geht. Neben einer Ausstellung zum Thema Arktis und Polarzone ist hier ein kleines Aquarium mit Seehunden und anderen Meerestieren aus der arktischen Welt zu sehen. Nicht uninteressant - aber auch nicht sooo aufregend, wenn man schon einmal einen Zoo von innen gesehen hat.

Gegen 17.00 Uhr bin ich zurück am Schiff und beginne, mich auf das spätere Dinner vorzubereiten (will sagen: habe ein Nickerchen gemacht). Dank der regelmäßigen Durchsagen bin ich aber rechtzeitig wieder aufgewacht ;-)

Parallel zum Beginn des Abendessens verlassen wir nun Tromsø und begeben uns auf die Fahrt in Richtung Nordkap. Zunächst ist alles wie immer - die Vorspeise (geräucherte Lachs) wird gereicht, ein Glas Wein wird gebracht, man tauscht sich über den Tag aus und wartet auf den Hauptgang.

Auch dieser (Hähnchenbrustfilet) schmeckt zunächst genauso lecker wie die Speisen an den Abenden zuvor. Doch dann passiert es: die Reiseleiterin macht eine Durchsage. Zunächst auf Norwegisch - drei, vier Passagiere springen auf und verlassen fluchtartig das Restaurant. Verwunderte Gesichter rundherum. Dann die Durchsage auf Englisch - die Zahl der Passagiere, die das Restaurant mitten beim Essen verlassen, vergrößert sich. Die japanische Reisegruppe ist fast vollständig dabei und auch vereinzelte Mitreisende, die der englischen Sprache einigermaßen mächtig sind, schließen sich an (ja, auch ich). Die Verwunderung in den Gesichtern der übrigen Mitreisenden schlägt in Angst um: was ist passiert? Dann die Durchsage in Deutsch: "Wir erhalten von der Brücke eine Meldung, dass auf Steuerbord Polarlicht zu sehen ist." Nun verlässt auch der Rest den Speisesaal, rennt (und das meine ich so wie ich es schreibe) durch die Treppenhäuser, holt Fotoapparate (für was eigentlich?) und stürzt an Deck.

NordlichtUnd warum das alles? Nun, bis vor zwei Wochen wusste ich nicht, was das Nord- oder Polarlicht ist. Seit ich mich etwas intensiver auf diese Reise vorbereitet habe, ist mir der Begriff etwas vertrauter. Und trotzdem - das mit eigenen Augen zu sehen, ist schon faszinierend. Das Nord- oder Polarlicht ist ein Naturschauspiel, das es nur in der Polarregion gibt. Es entsteht wenn Atome in der höheren Erdatmosphäre durch Sonnenstrahlung zum Leuchten gebracht werden; es tritt also nur bei klarem Himmel und i.d.R. nur nördlich des Polarkreises auf.

NordlichtDas grüngelbe Gebilde entsteht plötzlich und kann auch genauso schnell wieder verschwunden sein; dabei bewegt es sich mit unglaublicher Geschwindigkeit.

Das eine oder andere "Beweis"foto gibt es natürlich auch - allerdings haben mich die "Polarlichtanblitzer" wieder in den Wahnsinn getrieben - zwischen fünf und zehn Sekunden Belichtungszeit ohne störenden Blitzlichteinfall von rechts oder links waren fast nicht machbar ... und das Schlimmste: die Bilder werden ja sowieso nichts ...

Genauso schnell wie das Polarlicht gekommen ist, ist es auch wieder verschwunden - nach rund einer Viertelstunde geht es im Speisesaal weiter. Jeder hat wieder (gesittet) seinen Platz besetzt, so dass beim Dessert (Käsekuchen) wieder Ruhe einkehrt.

Ich muss aber noch einmal auf die Massenflucht aus dem Speisesaal zu sprechen kommen. Nun ist es ja so, dass ein nicht unerheblicher Teil der Mitreisenden (deutlich) älter ist als ich. Das macht sich i.d.R. bemerkbar, wenn es über Treppen mal ein Deck rauf oder runter geht - da ist dann eine gewisse Gemütlichkeit angesagt (was ja auch nicht schlimm ist und mir ja auch irgendwann mal droht). Dass aber alle Beschwerden und körperliche Gebrechen durch das Wort "Polarlicht" geheilt werden können und Leute die Treppen runterspringen (naja, fast), die sonst beim Gehen das Geländer fast abreißen, ist schon unglaublich; man sollte das wissenschaftlich einmal untersuchen - vielleicht lassen sich da ja neue medizinische Ansätze finden ...

Doch zurück zum Abend an Bord: Außer einem kurzen Aufenthalt in Skjervøy und in Øksfjord sollte nichts Aufregendes mehr passieren - obwohl: in der Tagesbeschreibung ist eine zweistündige offene Seestrecke angekündigt - mal schauen, was die bringt ...

Bis dahin gebe ich mich meinen Träumen vom Nordkap hin - morgen ist es dann ja soweit ...


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