Mit der MS Trollfjord von Bergen über Kirkenes nach Trondheim
- Reisebericht vom 23. Februar - 4. März 2008 -


26. Februar 2008: Polarkreis, Sandstraumen und Magic Ice


Eins vorweg - von wegen "schönste Seereise der Welt" ... Das kann ich so nicht wirklich stehen lassen - nach dem heutigen Tag würde ich "allerschönste Seereise der Welt" angemessener finden. Doch eins nach dem anderen ...

Um 7 Uhr 17 Minuten und 57 Sekunden meldet sich unser Kapitän zum ersten Mal über die Lautsprecheranlage und informiert uns, dass wir den Polarkreis überfahren. Der Polarkreis ist ein unsichtbarer Ring um die Erdkugel bei 66° 33' Nord; er markiert den südlichsten Punkt, an dem die Mitternachtssonne 24 Stunden lang scheint. Exakt auf dieser Linie liegt der Punkt der Sonnenwende am 21. Juni und 21. Dezember.

Die schönste Seereise der Welt ...Nur wenig später begegnen wir dem südwärts fahrenden Schiff der Hurtigruten, der "MS Nordkapp", was unseren Kapitän zu einer weiteren Durchsage veranlasst - und mich endgültig zum Aufstehen verleitet. Ich ziehe kurz einen Pullover über und gehe mit Fotoapparat bewaffnet an Deck, um das Ereignis im Bild festzuhalten. Ich hoffe, dass es nicht wieder so bewölkt ist, so dass jetzt (wir sind immerhin in Nordnorwegen angekommen) auch mal der eine oder andere Berg mit schneebedeckter Spitze zu erkennen ist.

Es kommt jedoch viel besser: es ist praktisch windstill, der Himmel ist blau gefärbt und um uns herum liegt eine traumhafte Winterlandschaft - besser kann es auf keinem Werbefoto aussehen.

An dieser Landschaft kann man sich unmöglich satt sehen; oder anders gesagt: die deutsche Sprache hält kein geeignetes Wort bereit, um den Eindruck, der sich hier bietet, adäquat zu beschreiben - es muss also bei dem Versuch bleiben.

Zunächst ist aber erst einmal Frühstücken angesagt. Die Details erspare ich mir an dieser Stelle, das Buffet gleicht dem gestrigen (und ist damit genauso abwechslungsreich und wohlschmeckend).

Bis zu unserer Ankunft in Bodø um 12.30 Uhr verbringe ich die restliche Zeit entweder an Deck oder im Panoramasalon und genieße die nicht endend wollende Aussicht auf die norwegische Winterlandschaft.

Bodo - SaltstraumenIn Bodø angekommen entschließe ich mich aufgrund des hervorragenden Wetters kurzfristig zur Teilnahme an einem Landausflug zum Saltstraumen. Hierbei handelt es sich um eine Gezeitenströmung, die als stärkster Mahlstrom der Welt gilt. Das Wasser bekommt in dieser nur 150 m breiten und 3 km langen Meerenge eine Spitzengeschwindigkeit von knapp 40 km/h und hat in den sich dadurch bildenden Strudeln schon manchen Seefahrer sein Ziel nicht erreichen lassen.

Zwar wird bei unserem Besuch diese Spitzengeschwindigkeit nicht erreicht; deutlich zu erkennen ist jedoch die Strudelbildung und die Gewalt, die hier zwischen Ebbe und Flut zu erleben ist.

So nebenbei ist die Busfahrt durch rund 30 km Winterlandschaft mit ihren farbigen Holzhäusern, den schneebedeckten Bergen, den kleinen Fjorden ein Erlebnis für sich - gut dass die Zeit der Diafilme vorbei ist ...

Pünktlich zur Abfahrt der MS Trollfjord erreichen wir unser Schiff und setzen unsere winterliche Fahrt fort. Noch vor Erreichen der Lofoten wird es leider dunkel, so dass mir die Gebirgskette erst auf der Rückfahrt von Kirkenes nach Trondheim ihre Schönheit offenbaren darf - zum Glück habe ich auf Heike gehört und die komplette Route gebucht ...

Bevor wir um 21.00 Uhr in Svolvær ankommen, ist zunächst aber mal "Middag" (norwegisch für Abendessen) angesagt. Heute beginnt das Menü mit einer Blumenkohlsuppe, gefolgt von einem gebratenen Meeressaibling mit Kartoffeln an Spargel und einem Panna Cotta zum Abschluss. Und wie an den ersten drei Tagen gibt es auch heute am Essen nicht nur nichts zu Meckern sondern nur Lob zu verteilen - einfach lecker!

Svolvaer - Magic Ice"Magic Ice" - so heißt die "Kunst unter dem Gefrierpunkt" in der Hauptstadt der Lofoten, Svolvær (http://www.magic-ice.no). Wir legen um 21.00 Uhr hier an und finden direkt am Kai den Eingang zur 500 m² großen Halle, in deren Mittelpunkt Menschen in Fischerdörfern zwischen steilen Felswänden und dem weiten Meer stehen. Kunstwerke aus durchsichtigem Eis, stilvoll illuminiert und von Kerzenlicht eingerahmt, sind hier zu bewundern. Das ist natürlich wieder mal eine Gelegenheit für ein paar nette Fotos - diese Idee haben allerdings auch die anderen Besucher.

Svolvaer - Magic IceIch habe das Stativ noch nicht fest geschraubt, da blitzt und leuchtet es aus allen Rohren ... der Plan, die Objekte möglichst ohne Blitzlicht auf die Speicherkarte zu bannen (und damit die Stimmung zumindest ansatzweise einzufangen), droht zu scheitern. Eine Belichtungszeit von zwei, drei Sekunden ist praktisch nicht zu erreichen, ohne dass jemand dazwischenblitzt oder zumindest den Autofokus bemüht (der sich dazu wiederum dieses wunderbaren roten Lichtes bedient).

Da hilft nur antizyklisches Verhalten - also erst an die Bar am Ende der Ausstellung (im Übrigen komplett aus Eis gestaltet) und den Abschlussdrink genommen (was immer auch ein "typisches nordnorwegisches Getränk ist") und dann noch mal rein in die Ausstellung und in Ruhe den Plan verwirklicht [@René: Das Gorilla-Pad ist absolut genial - das Ding krallt sich um jede Eisskulptur ;-)]

Bevor ich jetzt aber wieder auf dem Schiff verschwinde noch ein kleiner Reisetipp für Magic-Ice (Danke, Heike!): das bereits erwähnte Getränk wird aus handgemachten Eis-Gläsern serviert - und die sind - wen wundert's - eiskalt. Also: unbedingt Handschuhe mitnehmen!

Eine Stunde später geht es auch schon weiter: Die Häfen der Nacht heißen Stokmarnes (1.00 Uhr), Sortland (3.00 Uhr), Risøyhamn (4.30 Uhr) und Harstadt (6.45 Uhr), die See scheint ruhig zu sein (ist aber zwischen den vielen Inseln hier auch nicht anders zu erwarten) und von Nordlicht ist leider auch nichts zu sehen ...


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