Mit der MS Trollfjord von Bergen über Kirkenes nach Trondheim
- Reisebericht vom 23. Februar - 4. März 2008 -


25. Februar 2008: Trondheim und der Whirlpool


Die Nacht ist wohl recht ruhig gewesen - anders ist es nicht zu erklären, dass ich weder von der Fahrt noch dem Anlegemanöver um 6.00 Uhr in Trondheim etwas mitbekommen habe. Und so ist es nun auch schon kurz nach Acht und damit dringend Zeit zum Aufstehen.

Die schönste Seereise der Welt ...Nach der üblichen Visite in der Nasszelle führt der Weg nun direkt zum Frühstücksbuffet ins Restaurant. Zu "Frokost" ist hier freie Sitzplatzwahl angesagt, wobei ich (von irgendetwas im Inneren gesteuert) dann doch "meinen" vom Abendessen bekannten Tisch ansteuere.

Das Buffet selbst ist umfangreich: neben verschiedenen Sorten Brot, eine Art Brötchen und Knäckebrot in allen Variationen gibt es für den Belag eine ähnliche Auswahl wie wir sie kennen - Schinken, Salami, Käse, Marmelade, Nuss-Nougat-Creme und vieles mehr. Gekochte Eier, verschiedene Salate und natürlich Fisch in allen Variationen (die in Sherry marinierten Heringshappen sind wirklich köstlich). Natürlich fehlen auch nicht die üblichen Cerealien sowie Joghurt, Quark und Obst.

Interessant hat im Übrigen eine warme, graue Masse geschmeckt - da weiß ich allerdings noch nicht, was es ist (und genau hier hat natürlich kein Schild gestanden. Aber Hauptsache neben den gelben Scheiben steht "Käse" geschrieben ...) Naja, das bekomme ich schon noch heraus ...

Ach ja, noch etwas ... Norweger scheinen Tuben zu mögen - jedenfalls gibt es vieles (z.B. die Nuss-Nougat-Creme) in Verpackungen, die wir eher für eine Zahnpastaprobe halten würden. Ob es Kaviar natürlich verdient hat, auch so serviert zu werden, sei einmal dahin gestellt ... Und was ein fröhlich lachendes Kindergesicht auf Leberpastete zu suchen hat ... man weiß es nicht ... ;-)

In der Nacht scheint es im Übrigen auch hier ein bisschen geschneit zu haben - zumindest sind die Berge, Häuser und auch die Bürgersteige schneebedeckt. Wir nähern uns dem Winter also unaufhörlich ...

Trondheim - BybruaEin kleiner Spaziergang nach Trondheim (etwa zwanzig Minuten vom Schiff bis ins "Sentrum") führt durch enge Gassen, über die Bybrua (eine hölzerne Klappbrücke aus dem 19. Jh.), an schönen Holzhäusern vorbei zum Nidaros-Dom, dessen Bau im Jahre 1070 begonnen und in dem alle norwegischen Krönungszeremonien durchgeführt wurden.

Den Rückweg zum Schiff begleitet ein kleines Schneetreiben - aber so war ja der Plan ;-) Und wo könnte man sich besser aufwärmen als im warmen Wasser? Also ab in den Whirlpool auf dem Sonnendeck ... Hier wäre im Übrigen ein Bademantel eine nette Sache gewesen, dann hätte sich das Umziehen an Deck bei Temperaturen um den Nullpunkt etwas einfacher gestaltet - naja, merke ich mir für's nächste Mal mit Hurtigruten...

Trondheim - Nidaros DomUnter den Augen einiger Beobachter (die allerdings alle merklich wärmer angezogen waren) geht es wenige Stufen hinauf und dann hinein ins warme Wasser ... Sagte ich "warmes Wasser"? So kann man sich täuschen - das war nicht warm, das war kochend heiß ... nie war ich gedanklich einem Frühstücksei näher als in diesem Moment. Hilft aber nix - die Auswahl bestand ja nur aus "zu heiß" (im Whirlpool) und "zu kalt" in der Badehose auf Deck 9. Also rein und auf die Anpassungsfähigkeit des menschlichen Körpers vertraut. Und in der Tat, nach wenigen Minuten tat es auch schon gar nicht mehr weh ;-) Nein im Ernst, nach einer kurzen Eingewöhnungsphase war es einfach nur noch genial: leichter Schneefall, rundherum schneebedeckte Berge und selbst im warmen Blubberwasser ... Das zieht in den nächsten Tagen Wiederholungen nach sich.

Und so nebenbei: bis sich zwei weitere Mitreisende vom "Whirlpool-Fieber" haben anstecken lassen und sich zu mir gesellten, war ich für wenige Minuten sicherlich das am meisten fotografierte Objekt auf dem Schiff (natürlich immer nur im Hintergrund und zu Dokumentationszwecken, dass das Schiff auch einen Whirlpool zu bieten hat) ...

Weiter geht's aber nun auf unserer Fahrt: wir lassen Trondheim hinter uns und setzen unseren Weg in Richtung Norden fort. Das nächste Ziel ist Rørvik gegen 20.45 Uhr. Die Fahrt verläuft ruhig und bietet auf dem Weg durch den Trondheim-Fjord (der drittgrößte Fjord Norwegens) viel zu Fotografieren. Unter anderem passieren wir bei Stokksund eine Passage im Zick-Zack-Kurs, die an der schmalsten Stelle nur 42 m breit und mit zahlreichen Untiefen gespickt ist - bei einer Schiffsbreite von 21,50 m hat das dann schon ein bisschen was von Abenteuer ...

Kurz vor dem Abendessen meldet sich dann der Kapitän noch einmal zu Wort. Wir haben jetzt die Stelle erreicht, an der wir für die nächsten beiden Stunden offene See vor uns haben und - wie sollte es anders sein - wir mit "rough sea" rechnen müssen. Super, Seegang beim Dinner - das habe ich gebraucht.

Schon der Weg ins Restaurant ist eine Herausforderung: auf der rechten Gangseite losgelaufen, auf der linken angekommen. Jaja, eine Seefahrt, die ist lustig, ... Die Herrschaften, die hier mit dem Rollator unterwegs sind, haben da einen echten Vorteil ...

Das Restaurant ist erwartungsgemäß leerer als sonst, obwohl ich erstaunt bin, wie viele seegangresistente Mitreisende an Bord sind. Kann aber auch sein, dass alle nach demselben Prinzip vorgehen wie ich: "Schau'n mer mal ..."

Heute wird als Vorspeise ein Tomatensalat mit Schafskäse in einer Knoblauchvinaigrette gereicht. Anschließend gibt es Rinderfilet mit Kartoffelgratin und zum Abschluss ein (gefrorenes) Moccaparfait an Moltebeeren. Sehr lecker das Ganze, auch wenn ich nach wie vor nicht weiß, was Moltebeeren sind (ich erkenne sie jetzt allerdings, wenn ich sie auf einem Teller sehe).

Im Übrigen hat sich das Restaurant reziprok proportional zum Seegang geleert. Der eine oder andere hatte die Tüte ja schon mal prophylaktisch mit hineingenommen (das waren die, die wie ich "mal schauen wollten"), zumindest zwei haben sie beim Gehen auch wieder dabei gehabt - allerdings gefüllt ;-)

Zwischen Hauptgang und Dessert beruhigt sich der Seegang jedoch deutlich, so dass ich meinen beim Rinderfilet angedachten Plan, das Dessert vielleicht doch nicht zu essen, verwerfe und im netten Gespräch über die Kölner Baustelle(n), das Verhältnis zwischen Kölnern und Düsseldorfern ("welches Verhältnis?") und den Rückzug von Dieter Müller aus dem aktiven Kochgeschäft das Abendessen beende.

Draußen ist es nach wie vor dunkel, so dass jetzt Entspannung beim Lesen und einem Tatort angesagt ist, zumal die heute Nacht angelaufenen Häfen Rørvik, Brønnøysund, Sandnessjøen und Nesna mit jeweils nur wenigen Minuten Aufenthalt auch nicht wirklich zum Aufbleiben verleiten ...


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