Mit der MS Trollfjord von Bergen über Kirkenes nach Trondheim
- Reisebericht vom 23. Februar - 4. März 2008 -


24. Februar 2008: Der Sturm


"Die schönste Seereise der Welt" ... naja - so ganz 100% sicher bin ich da noch nicht wirklich ... die Nacht ist jetzt nicht wirklich windstill, so dass Schlaf immer nur temporär möglich ist - es ist halt beim Einschlafen schon störend, wenn man - von fremden Kräften gesteuert - im Bett ständig Bewegungen ausgesetzt ist. So ist die Nacht nicht wirklich schlecht, aber halt von ständigen Unterbrechungen durchzogen. Dass es noch schlimmer hätte kommen können, ahnte ich da noch nicht ...

Die Häfen Florø und Måløy verschlafe ich (bzw. nehme sie nicht wirklich wahr) - schließlich ist es mitten in der Nacht bzw. noch vor dem Hellwerden, als wir hier jeweils nur für wenige Minuten anlegen.

Seegang - bis zu 14 m hohe WellenEs ist jetzt 8.30 Uhr und mein Handy reißt mich aus dem Schlaf. Allerdings nicht mit Klingeln oder der Weckfunktion sondern durch einen simplen Fall vom Ablagebrett ... inzwischen haben wir die offene Seestrecke am Westkap erreicht (hier geht die Nordsee ins Europäische Nordmeer über) und wir geraten in den an dieser Stelle üblichen Sturm. Dieser fegt heute mit Windstärken über 10 und mit bis zu 14 Meter (!) hohen Wellen über das Meer und gibt unserem Schiff eine - zumindest mir - bis dahin ungeahnte Dynamik.

Also raus aus dem Bett und mit dem Fotoapparat an Deck ... doch der auf dem Boden liegende Kaffeebecher, das Portemonnaie und die Armbanduhr wollen zunächst wieder aufgehoben werden. Da sie ihren alten Platz auf dem Schreibtisch sowieso nicht beibehalten hätten, kommen sie kurzerhand in den Rucksack, so dass zumindest die Gefahr umher fliegender Gegenstände gebannt ist.

Jetzt aber raus auf Deck und endlich die Beweisfotos geschossen - mit regen- und winddichter Kleidung ausgerüstet und den Fotoapparat im Anschlag versuche ich die Tür am Heck zu öffnen: dies gelingt allerdings erst Dank tatkräftiger Hilfe eines bereits an Deck befindlichen Passagiers - zu stark ist der Gegendruck durch den Wind. So bleibt also nur langsames Vortasten in Richtung der Schiffsmitte - und weiter geht es auch nicht. Die Wellen brechen sich regelmäßig beim Eintauchen des Schiffs, so dass das Spritzwasser bis zur Brücke reicht (und diese ist auf Deck 7) und damit natürlich auch Deck 6, auf dem ich gerade stehe, recht feucht ist ...

Den Rest der Schaukelei (und mit dem Gefühl auf einer Schiffschaukel kann man das auch durchaus vergleichen) verbringe ich dann im Bett und warte, bis wir gegen 11.15 Uhr in Torvik einlaufen (über das Frühstücksbuffet berichte dann morgen - heute habe ich das lieber ignoriert).

AlesundInzwischen haben wir auch wieder ruhige Gewässer erreicht, so dass nach kurzem Aufenthalt die Weiterfahrt nach Ålesund ansteht. Durch die verspätete Abfahrt in Bergen reduziert sich der Aufenthalt hier zwar auf knapp 2 ½ Stunden, für einen kurzen Spaziergang durch die Stadt (knapp 40.000 Einwohner) und einen Abstecher auf den 418 Stufen (knapp 200 m) hoch gelegenen Berg Aksla mit fantastischem Ausblick über Ålesund reicht die Zeit jedoch allemal.

Die schönste Seereise der Welt ...Zurück an Bord zeigt sich eine weitere Besonderheit der Hurtigruten - es gibt hier "Hafengäste", also Besucher, die sich während der Liegezeiten im Hafen auf dem Schiff aufhalten. Dies scheint gerade sonntags eine gern genutzte Ausflugsmöglichkeit zu sein, um den Aufenthalt auf dem Schiff mit einem Mittagessen im Familienkreis zu verbinden; Berichten zu Folge werden in den Sommermonaten auch schon einmal die Whirlpools der neueren Schiffe bzw. der Pool der MS Finnmarken als Ausflugsziel genutzt.

Nachdem die Gäste das Schiff verlassen haben, haben wir den Weg zum nächsten Hafen eingeschlagen. Um 17.30 Uhr erreichen wir dann auch fahrplanmäßig Molde, wo wir eine Stunde Liegezeit haben. Währenddessen beginnt auch schon das vorgezogene Abendessen, da wir auf der Strecke nach Kristiansund wieder offene See befahren und diese Strecken offensichtlich immer Auswirkungen auf die Anzahl der Essensgäste haben.

Anders als gestern findet das Abendessen heute und an den Folgetagen in Menüform statt, d.h. es werden drei Gänge am Platz reserviert. Begonnen hat die heutige Speisenfolge mit einem überbackenen Brie auf Toast, gefolgt von einem exzellenten Lachsfilet in Pfeffersauce an Kartöffelchen sowie einer Eis-Schokoladenkuchen-Komposition zum Dessert.

Bevor wir um 22.00 Uhr in Kristiansund anlegen, verbringe ich die kommenden zwei Stunden mit dem iPod im Bett und warte auf den angekündigten Seegang (der im Vergleich zu heute Vormittag aber sehr zurückhaltend ausfällt und von daher gut verträglich ist). Ein Blick aus dem Fenster in Kristiansund zeigt dann Erfreuliches ... das regnerische Wetter geht so langsam aber sicher in dichten Schneefall mit richtig dicken Flocken über - wenn das so weitergeht, kommen wir der Winterlandschaft langsam aber sicher näher ...

Den Abschluss findet der Abend dann mit einem Caipirinha (ja, auch so etwas gibt es hier an Bord) an der Bar sowie etwas Nachtlektüre und einer DVD zum Einschlafen ...


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