Mit der AIDAblu eine Woche rund um die Kanarischen Inseln
- Tagebuch vom 17. - 24. Dezember 2005 -


23. Dezember 2005

Der "Mini-Kontinent"

Las Palmas (Gran Canaria)



Neuer Tag - neues (Wetter)glück: die Sonne scheint, es hat 20°C … gerade richtig für den geplanten Ausflug. "Der Norden und Casa Romantica" steht auf dem Programm. Wie immer geht es um 8.30 Uhr nach Frühstück und eMail-Check in der Private Lounge mit dem Treffen los - dieses Mal in der AIDA-Bar. Wir fahren etwa 15 Minuten in die Hochstadt von Las Palmas ("Altavista") und beginnen mit einem Fotostopp, da man von hier einen schönen Ausblick auf die Stadt hat. Weiter geht es entlang der Nordküste nach Agaete zum "Finger Gottes" ("Dode del dios"), eine Steinformation vor der Küste, die das Aussehen eines nach oben gestreckten Zeigefingers hat. Oder besser: hatte. Seit der Tropensturm Delta vor zwei Wochen über die Kanaren gezogen ist, steht hier nur noch die Hand Gottes - der Finger liegt irgendwo daneben im Meer. Ob das jetzt so bleibt und alle Reiseführer der Welt neu gedruckt werden oder ob man versuchen wird, den Finger wieder an der Hand zu befestigen (wie auch immer das gehen soll), ist wohl noch unklar - auf jeden Fall dürften die gemachten Fotos etwas besonderes sein …

Anschließend führt unsere Fahrt in das subtropische Tal von Agaete zur Casa Romantica, einem Restaurant mit einem angeschlossenen botanischen Garten (oder andersrum?). Wie auch immer - der "kanarische Snack" schmeckt gut ;-) Auch hier gibt es wieder diese verschrumpelten Kartoffeln mit der roten Soße, die auf Gran Canaria jedoch "mojo picón" (pikante Sauce) genannt wird. Macht aber nichts, sie ist genau so würzig wie die auf Lanzarote … Neben selbst hergestelltem Ziegenkäse (Insider: der hat richtig gebockelt) wird hier noch ein selbst gerösteter Kaffee serviert (da sitzt der Opa der Familie tatsächlich den ganzen Tag in der Küche und röstet Kaffee) - und das merkt man auch … ein doppelte Espresso bei uns ist dagegen koffeinfrei.

Eine Begebenheit unserer Busfahrt muss ich hier aber doch schildern, da sie ein hervorragendes Beispiel für die Lebensweise auf den Kanaren ist. Beim Rangieren durch die engen Gassen von Agaete kommt auch unser Busfahrer an die physikalischen Grenzen; der Bus passt zwischen Häusern und parkenden Autos einfach nicht durch. Würden die Autos so parken wie sich das die Linienzieher und Schilderaufsteller gedacht haben, wäre das kein Problem gewesen - so kann ein Falschparker aber den kompletten Verkehr in Agaete lahm legen. Man stelle sich diese Situation mal bei uns vor - das Geschrei wäre groß. Hier wird das ganz einfach gelöst: der Busfahrer drückt zweimal auf die Hupe, aus der Bar am Eck kommt ein junger Mann gestürzt und setzt sich in sein Auto, um zur Seite zu fahren. Doch damit nicht genug: der Barbesitzer kommt hinterher, bringt dem Busfahrer ein kleines Glas mit brauner Flüssigkeit, der Falschparker winkt ihm freundlich zu und während dieser sein Auto einige Meter weiter abstellt (natürlich immer noch im Parkverbot), trinkt der Busfahrer aus, winkt freudig zurück und fährt einfach weiter. Richtig geärgert hat sich hier keiner über den anderen …

Warum ist die Banane krumm? Bislang dachte ich ja, so wie Ihr sicherlich auch alle, dass das das Werk der Bananenbiegemaschine ist … ha, von wegen - die wachsen tatsächlich so. Beim Besuch der Bananenplantage "Finca Tirma" in Sardina wurde ich eines besseren belehrt: die Bananenstauden sind zunächst mit großen Blättern bedeckt, die erst später abfallen. Solange die Blätter die Bananen bedecken, wachsen diese kerzengrade; erst nach dem Abfallen der Blätter richten sich die Bananen nach der Sonne aus und verbiegen sich dazu - so entsteht also die krumme Form …

Da es sich hierbei nur um einen Halbtagesausflug gehandelt hat, steht mir der Nachmittag für mehrere (alkoholfreie!) Cocktails beim Sonnen auf dem Pooldeck zur Verfügung - und zur Beobachtung meiner Mitreisenden. Nehmen wir zum Beispiel mal das Ehepaar in den mittleren Jahren, die sich auf der Suche nach zwei freien Liegen auf das Pooldeck begeben. Sie trägt zwei Handtücher, eine Handtasche und zwei Cocktails - er den Bordausweis und die Verantwortung. Oder den Herren Anfang 70, der eine modische 7/8-Hose trägt - lediglich die Sandalen und die weißen Socken stören den jugendlichen Eindruck ein wenig. ;-)

Der letzte Tag ist auch dieses Mal wieder der "Eiweiß-Tag": neben vielen Sorten von Meeresfrüchten hat Küchenchef Thomas mal wieder einen großen Posten Hummer erstanden, die er in den Restaurants des Schiffes im Rahmen des "Farewell-Dinner" kredenzt. Natürlich gibt es auch eine große Auswahl für Nicht-Fisch-Esser: sei es das Rinderfilet, die Schweinelende oder etwas aus dem Pasta- oder Gemüse-Bereich. Und wie im richtigen Leben gilt auch hier: wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Es ist - zumindest am letzten Abend - schon zu empfehlen, pünktlich um 18.30 Uhr im Restaurant zu sein: da findet man noch die schönsten Plätze und auch das Buffet sieht noch unbenutzt aus …

Bevor es nun zur Abschiedsparty auf dem Pooldeck geht, habe ich noch einen letzten Versuch unternommen, den Bingo-Jackpot zu knacken - leider erfolglos (wenn man von dem Schnapszahl-Sekt absieht), so dass die 435,00 Euro ihren Weg in ein fremdes Portemonnaie gefunden haben. :-(

Damit nimmt eine weitere Woche auf der AIDA ihr Ende. Während wir die letzten Seemeilen auf dem Weg nach Teneriffa zurücklegen (insgesamt waren wir in dieser Woche 978 Seemeilen, entsprechend 1.811 km, unterwegs), packe ich meinen Koffer und bereite mich seelisch und moralisch auf das morgige Weihnachtsfest vor (wenn hier nicht ab und zu mal ein Weihnachtslied gespielt würde, würde man das bei diesen Temperaturen glatt vergessen). Der Abschied von der AIDAblu fällt auch dieses Mal wieder schwer, allerdings beginnt jetzt natürlich auch die Zeit der Vorfreude auf die nächste Kreuzfahrt - natürlich wieder mit AIDA …


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