Mit der AIDAblu eine Woche rund um die Kanarischen Inseln
- Tagebuch vom 17. - 24. Dezember 2005 -


22. Dezember 2005

Feuerberge und Vulkane

Arrecife (Lanzarote)



Nach zwei Tagen des Chillens wird es mal wieder Zeit für Land und Leute … mitten in der Nacht (8.30 Uhr) treffen wir uns - nach einem eher kurzen Frühstück in der Private Lounge - im Theater zu unserem achtstündigen Ausflug "LAN 04" (Lanzarote komplett). Wenn man den Erklärungen im Reiseführer Glauben schenken darf, dann muss Lanzarote ja einiges zu bieten haben - ich bin mal gespannt…

Zunächst fahren wir bei strahlendem Sonnenschein und 23°C zu den Feuerbergen im Timanfaya-Nationalpark und werden dort mit drei Vorführungen unter der Oberfläche noch aktiver Vulkane überrascht: ein Führer gibt jedem etwas Erde in die Hand, die er aus etwa 5 cm Tiefe mit einer Schaufel zu Tage gefördert hat - niemand war in der Lage, die Erde länger als ein, zwei Sekunden in der Hand zu halten … alles andere hätte Brandblasen gegeben (die Temperatur knapp unter der Erde beträgt etwa 100°C).

In einem anderen Versuch wirft ein Führer etwas Reisig in ein etwa zwei Meter tiefes Loch - dort ist die Erde so heiß (rund 400°C - 500°C), dass das Reisig sich sofort selbst entzündet. Zum Abschluss kommt noch das "Wasser-Experiment": etwa fünf Liter Wasser werden durch ein Metallrohr sechs Meter tief in die Erde geschüttet - nach knapp zwei Sekunden kommt das Echo in Form eines kleinen Geysirs - das Wasser wird durch den enormen Druck beim Verdampfen wieder herausgeschleudert.

Weiter geht's mit dem Bus durch die Vulkanlandschaft - diese steht unter Naturschutz und darf nicht betreten werden. Ausnahmen sind auf den vorhandenen Fahrwegen lediglich für Busse mit einem lizenzierten Fahrer oder für Dromedare gestattet. Wenn wir es nicht besser wissen würden, käme zeitweise schon der Verdacht auf, sich irgendwie in Richtung Mond verfahren zu haben - ungefähr so muss es ausgesehen haben, als Neil Armstrong die ersten Schritte auf dem Mond machte…

Die nächste Station ist die Bodega "La Geria", die größte Weinkellerei Lanzarotes. Da die Insel sehr wasserarm ist (es kommt schon mal vor, dass es ein Jahr überhaupt nicht regnet) und ständig von Passatwinden heimgesucht wird, musste für den Weinanbau eine andere Methode gefunden werden: für die Weinstöcke wurden zehntausende Trichter in die Vulkanasche gegraben, die durch eine halbmondförmige, niedrige Mauer gegen die Winde schützen. Eine Kostprobe zweier Weine (einer eher sauer, der andere eher likörartig oder fachmännisch als "trocken" und "lieblich" bezeichnet) schließt den Besuch ab.

Das Tal der tausend Palmen rund um Haría bildet den Rahmen für unser Mittagessen im "Casa'l Cura". Bei einem typisch kanarischen Buffet, bei dem ich die "mojo rojo" kennen und schätzen gelernt habe (eine aus Knobloch, Chili, Olivenöl und Essig bestehende pikante Sauce, die von anderen Mitreisenden auch als "sauscharf" bezeichnet wurde). Hierzu gab es neben "papas arrugadas" (in Meerwasser gekochte Kartoffeln) verschiede Sorten Fleisch und natürlich auch Paella.

Der Aussichtspunkt "Mirador del Río" erlaubt einen fantastischen Blick auf die Nachbarinsel La Graciosa sowie die Meerenge El Río, ein Archipel klarsten Wassers - die Fotoapparate hörten gar nicht auf zu klicken (bzw. dieses neumodische elektronische Geräusch zu machen, das den bei Digitalkameras nicht mehr vorhandenen Filmtransport simulieren soll).

Letzter Punkt des achtstündigen Ausflugs ist "Jameos del Agua", ein komplexes System von Galerien und Grotten vulkanischen Ursprungs im Norden von Lanzarote. Durch einen mehrere tausend Jahre zurückliegenden Prozess hat sich ein mehrere Kilometer langer unterirdische Lavatunnel gebildet, dessen Anfang durch eine mit dem Ozean verbundenen Unterwassergrotte gebildet wird. Hieran schließt sich ein unterirdischer See aus glasklarem Meerwasser an, in dem tausende von winzigen blinden Albinokrebsen leben. Da diese normalerweise nur in mehreren Kilometern Tiefe im Meer vorkommen, ist davon auszugehen, dass diese durch Vulkanausbrüche aus tieferen Schichten heraufgeschleudert wurden und in der Grotte gefangen blieben.

Auf dem Weg zurück zum Schiff passiert es dann … es regnet. Das hört sich zunächst mal nicht so dramatisch an, ist für Lanzarote aber schon ein eher ungewöhnlicher Vorgang. Hierzu muss man wissen, dass es im langjährigen Durchschnitt hier etwa 135 mm regnet - dies allerdings nicht in jedem Jahr. Es kann also auch schon mal sein, dass es mehrere Jahre hintereinander nicht regnet… Heute war es aber mal wieder so weit: die spätere Recherche bei wetter.de ergab eine Niederschlagsmenge von rund 10 l/m² - also etwas, was wir als Platzregen bezeichnen würden und was - außer bei Vergessen des Regenschirms - normalerweise keine weiteren Auswirkungen hätte. Auf Lanzarote ist dies jedoch anders: selbst der kurze Weg zurück zum Schiff führt zu mehreren Umwegen, da verschiedene Straßen und Unterführungen wegen Überflutung gesperrt bzw. unpassierbar sind. Überall am Straßenstand stehen Autos, deren Fahrer beim Durchfahren von Pfützen die Bodenfreiheit ihres Autos wohl überschätzt haben, die Feuerwehr (hier "Bomberos" genannt und mit gelben Fahrzeugen und gelben Blaulichtern ausgestattet) fährt im Dauereinsatz durch die Stadt und der Verkehr ist mehr oder weniger zusammengebrochen.

Dadurch kommen wir mit leichter Verspätung zurück zur AIDA, was jedoch nicht weiter tragisch ist, da die Zeit für meine für den Abend geplanten Programmpunkte noch ausreichend ist. Zunächst muss ich mich leider mit dem Urlaubsende befassen; im Theater erhalten wir die Abreiseinformationen (wer wird wann mit welchem Gepäck wo erwartet, so dass der Transfer zum Flughafen rechtzeitig erfolgen kann) - ein untrügliches Zeichen dafür, dass die letzen Stunden an Bord angebrochen sind. Anschließend führt mich mein Weg ins Buena Vista zum Abendessen, um anschließend wieder mal mein Glück beim Bingo zu versuchen. Auch heute klappt es leider nicht mit dem Bingo-Ruf, dafür verhilft mir die im Rahmen der Ziehung der Schnapszahl "22" gestellte Frage nach dem ersten Wimbledon-Sieg von Boris Becker zu einem Glas AIDA-Sekt (die richtige Antwort lautet übrigens "1985"). Na ja, morgen ist ja auch noch ein Tag - und erst der lohnt sich Dank des Jackpots ja richtig …

Da es morgen wieder früh losgeht (ich habe auf Gran Canaria den Halbtagesausflug "GRA 03 - Der Norden & Casa Romantica" - gebucht), verbringe ich noch etwas Zeit beim Lesen und lasse mich dann von den Wellen in den Schlaf schaukeln …


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