Mit der AIDAvita eine Woche durch das westliche Mittelmeer
- Tagebuch vom 29. April bis 6. Mai 2005 -


5. Mai 2005

Der letzte Tag auf See

Seetag



Der letzte Tag unserer Reise ist angebrochen: von dem Sonnenaufgang ist heute allerdings nicht so viel zu sehen, da - im Gegensatz zu den bisherigen Tagen - einige vorwitzige Wolken meinen, uns vor der Sonneneinstrahlung schützen zu müssen. So kommt es, dass der heutige Seetag eher drinnen als draußen stattfindet. Lediglich der Pool-Brunch, auf Seetagen als Überbrückung zwischen Frühstück und Mittagessen vorgesehen (nicht als Ersatz), lockt uns zu spanischen Tapas und anderen Genüssen aufs Pooldeck.

Unterbrochen durchs Mittagessen ist der weitere Nachmittag dann ideal fürs Lesen geeignet (der Drang, sich schon mal im Vorgriff auf ForLife an den Fitnessgeräten auszutoben wird etwas gebremst, da eine ähnliche Idee wohl auch anderen gekommen ist). Außerdem bietet sich der heutige Tag an, das eine oder andere Noch fehlende Foto im Schiff nachzuholen. A propos Schiff: so richtig vorgestellt habe ich das Innenleben ja auch noch nicht ... also: die AIDAvita hat 12 Decks, von denen die unteren drei Decks eigentlich nur von der Crew, für Maschinen- und Technikräume sowie die Wäscherei genutzt werden. Einzige Ausnahme ist das mit zwei Schiffsärzten besetzte Hospital auf Deck 3.

Deck 4 bis 7 dienen dann i.w. der Unterbringung der Passagiere, wobei auf Deck 6 noch der "Kids-Club" (hier werden Kinder von 4-12 Jahren unterhalten) und auf Deck 7 die "Ocean-Bar" (meine Hausbar) liegen. Weiterhin ist auf Deck 6 noch die Rezeption (Anlaufstelle für alle Fragen und Probleme) und die Internet-Surfstationen zu finden sind (sind aufgrund der Satellitenanbindung mit rund 50 Cent pro Minute allerdings nicht ganz billig).

Ab Deck 8 beginnt dann die Infrastruktur des Schiffes: AIDA-Bar, AIDA-Shop (hier kann man i.w. Modeartikel, Schmuck und Werbeartikel kaufen), Foto-Corner (hier gibt's die zu Tausenden gemachten Erinnerungsbilder), die Ausflugsschalter, das AIDA-TV-Studio, das Marktrestaurant und der Eingang zum Theater, das sich bis in Deck 9 erstreckt. Dort befindet sich außerdem das große Calypso-Restaurant (mit Außenbereich), die Nightfly-Bar sowie der Fitness-Bereich. Deck 10 ist dann der Sonne gewidmet: auf dem Pooldeck finden sich - neben dem Pool - zwei Whirlpools, das Volleyballfeld, viele Liegestühle, der Pool-Shop und die Poolbar. Außerdem befindet sich hier die Anytime-Bar, die sich nachts in die Borddisco verwandelt. Den Abschluss bilden Deck 11 mit Sauna, Wellness- und Erholungsbereich mit weiteren Sonnenplätzen und einem weiteren Whirlpool sowie Deck 12 mit einigen FKK-Plätzen an der Sonne.

Inzwischen hat sich das Wetter leider weiter verschlechtert: der Wind pfeift jetzt mit Stärke 7, so dass erstmals zu merken ist, dass wir uns auf einem Schiff befinden. Damit kann ich jetzt auch die Frage beantworten, die mir im Vorfeld am meisten gestellt wurde: "Hast Du keine Angst vor der Seekrankheit?" Doch, die hatte ich - allerdings kann ich nach dieser Woche sagen, dass es - bis jetzt - keinen Moment gab, an dem ich gemerkt hätte, dass wir auf dem Meer unterwegs sind: das Schiff lag unterwegs genau so ruhig im Wasser wie vertäut im Hafen. Allerdings hatten wir auf dieser Fahrt bislang auch niemals mehr Wind als Stärke 4 (und einen damit verbundenen Wellengang bis max. 50 cm). Rechtzeitig zum "Farewell-Menü" in den Restaurants (u.a. mit Hummer) ändert sich das allerdings - der Wellengang erhöht sich jetzt bis auf 2,50 Meter. Das Wasser wird aus Sicherheitsgründen aus dem Pool gelassen (um die Stabilität zu erhöhen), in den Treppenräumen werden vorsorglich die netten kleinen Beutel (kennt Ihr aus dem Flugzeug) ausgelegt und die Rezeption wird gefragte Anlaufstelle für Tabletten gegen Seekrankheit.

Inzwischen ist der Wellengang auch deutlich im Schiff zu spüren - die Schritte durch die Gänge sind mit denen unter starkem Alkoholeinfluss vergleichbar und auch im Magen macht sich ein nicht wirklich angenehmes Gefühl breit. Was also tun? Abwarten und nichts machen (das Wetter soll allerdings bis Mallorca am nächsten Morgen so bleiben), auch so eine Wundertablette nehmen, auf's Deck setzen (dort ist es aber kalt und das Schiff schwankt trotzdem)? Ich habe mich für ersteres entschieden und mich damit an das gehalten, was ich zu Hause zur Reisevorbereitung über Seekrankheit im Internet gelesen hatte: die Seekrankheit ist eigentlich nichts anderes als ein unklarer Zustand im Körper. Die "Sensoren" im Körper (Gleichgewichtssinn) nehmen eine Bewegung des Körpers wahr (klar, das Schiff schwankt ja), die Augen sehen jedoch eigentlich ein ruhiges Umfeld (Einrichtung, Bilder an den Wänden) - das Gehirn ist aufgrund dieser von einander abweichenden Informationen verwirrt und erteilt dem Körper damit "Abwehrbefehle" (einer dieser Befehle ist in einem späteren Stadium z.B. unnötigen Ballast (Mageninhalt) abzuwerfen). Die Übelkeit ist also eigentlich kein Magen- sondern ein Kopfproblem. Jetzt kennen wir ja durchaus noch andere Situationen, in denen die Wahrnehmung der Umgebung von der gefühlten Wahrnehmung abweicht (allein beim Gehen ist das schon der Fall) - und das verkraftet unser Körper ja auch. Das ist so, weil unser Körper im Laufe des Lebens darauf "trainiert" wurde und sich so im Gehirn ein Gedankenmodell dafür entwickeln konnte - für die Bewegung auf See fehlt so etwas i.d.R. jedoch. Nach einiger Zeit des (medikamentenlosen) Abwartens müsste der Körper sich also auf die Situation einstellen - und das tut er tatsächlich: nach etwa vier, fünf Stunden ist die Übelkeit komplett verflogen, obwohl sich weder am Wetter noch Seegang etwas geändert hat.

Hoffentlich hat sich mein Gehirn das Modell auch gut gemerkt und hoffentlich passt es auch für stärkeren Seegang - schließlich will ich ja mal wieder auf die AIDA ... ;-)

Dieser Abend geht dann also ohne Caipi vorüber - aber die Ocean-Bar hat heute sowieso geschlossen ;-)


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