Mit der AIDAvita eine Woche durch das westliche Mittelmeer
- Tagebuch vom 29. April bis 6. Mai 2005 -


3. Mai 2005

Am rauchenden Ätna

Catánia/Sizilien



Ihr kennt das ja schon: je weiter wir nach Osten fahren, desto früher geht die Sonne auf. Also war die Nacht heute schon um kurz vor 6 beendet, um live dabei zu sein (ich stelle mir übrigens keinen Wecker; das Aufwachen klappt irgendwie von selbst zur richtigen Zeit, wahrscheinlich unterstützt durch die Seeluft, die mir durch die geöffnete Balkontür die ganze Nacht um die Nase weht). Kurz nach der Sonne kommt dann auch schon der Ätna, einer der wenigen aktiven Vulkane der Erde, zum Vorschein und rechtzeitig zum Frühstück haben wir in Catania in Sizilien angelegt.

Da das Frühstück ja den Hunger für den ganzen Vormittag in Schach halten muss (die Rückkehr vom Landausflug ist gegen 13.30 Uhr geplant), fällt es naturgemäß etwas umfangreicher aus (hier mal kurz die Details: zwei Spiegeleier mit Bacon, zwei Nürnberger Rostbratwürstchen mit Dijon-Senf, ein 5-Minuten-Ei, ein Brötchen mit Schinken und Paprika-Zwiebel-Käse, ein Brötchen mit frischem Lachs, ein Croissant mit Waldfruchtmarmelade sowie etwas Joghurt mit frischem Obst, dazu Kaffee und Orangensaft).

Anschließend beginnt auch schon die tägliche Landausflugprozedur: insgesamt 15 Busse sind für die sieben Ausflüge vorgefahren. Auch im Theater dann das alte Spiel: namentlicher Aufruf, warten auf zwei Nachzügler (woher hätten die auch wissen sollen, dass wir uns im Theater treffen), die Hinweise auf feste Schuhe und eine Jacke - und es kann losgehen.

Die von mir gebuchte Tour "Den Ätna entdecken" führt uns durch Catania über eine (gut ausgebaute) Serpentinenstraße hinauf bis zum Silvestri-Krater auf etwa 1.950 Meter, unterbrochen von dem einen oder anderen Foto-Stopp. Zunächst führt die Straße noch durch herrliche Täler mit Zitronen- und Orangenbäumen sowie Weinbergen. Plötzlich ändert sich die Landschaft, in den bizarren Lavaformationen sind nur hier und da noch einige Ätna-Kiefern und Pistazien auszumachen. Nach einer guten Stunde haben wir unser Ziel erreicht und müssen nun zu Fuss weiter - zwar nicht sonderlich weit, aber über Lavagestein. Das erklärt dann auch den Hinweis auf die festen Schuhe - unverständlich in diesem Zusammenhang ist für mich jedoch, warum einige wenige Damen zu einem solchen Ausflug ein Paar Schuhe ausführen müssen, mit denen ich zu Hause nicht einmal unfallfrei vom Schlafzimmer ins Bad käme (mal abgesehen davon, dass ich solche Schuhe gar nicht besitze) - und dann noch mit der Bemerkung auftreten, sie hätten es nicht gewusst (es stand ja auch nur in der Ausflugsbroschüre, wurde bei der Präsentation erwähnt, bei der Buchung nochmals hervorgehoben und stand auf dem Ticket - zugegeben, eine etwas knappe Informationspolitik...). Naja, wir sind dann eben ohne die Mädels auf den Krater gelaufen - es ist schon beeindruckend, mit welcher Macht sich die Lava ihren Weg gebahnt und gnadenlos alles unter massiven Gesteinsmassen begraben hat, was im Weg stand.

Der Rückweg ist dann weniger spektakulär - wenn auch die Verkehrsregeln für den Nicht-Sizilianer im Dunkeln bleiben (es scheint die Macht des Stärkeren zu gelten, wobei die Lautstärke der Stimme wohl auch etwas mit Vorfahrt zu tun haben muss; keinerlei Rechte im Straßenverkehr haben im übrigen Fußgänger, zumal rote Ampeln von allen anderen auch eher als Empfehlung denn als Vorschrift angesehen werden).

Nach dem Mittagessen an Bord habe ich dann noch die wahnsinnige Idee, mit dem Stadtführer in der Tasche einen kleinen Bummel auf eigene Faust zu unternehmen, da unser Schiff nur wenige hundert Meter von der Altstadt entfernt liegt. Warum wahnsinnig? Na ja, zum einen war die Hürde mit dem Straßenverkehr zu nehmen (ich weiß bis jetzt nicht, ob die alle wegen mir gehupt haben oder ob sie das - warum auch immer - sowieso gemacht hätten), zum anderen ist der Weg vom Hafen zum Piazza del duomo (Domplatz) zwar nicht sonderlich lang, führt aber durch eine Gegend, die wohl nicht zur feinsten der Stadt gehört (sagen wir's mal anders: mitten in der Nacht im Frankfurter Bahnhofsviertel hätte ich mich bedeutend sicherer gefühlt). Ich weiß nicht wirklich, wie ich das überlebt habe und warum ich noch im Besitz meines Fotoapparates bin - ich weiß jetzt aber, was die Reiseleiterin von heute morgen meinte, als sie denjenigen, die nachmittags noch in die Innenstadt wollten, "viel Glück" wünschte. OK, wieder was gelernt - in Neapel morgen passiert mir das nicht - da lege ich mich gleich an den Pool ...

Genau das mache ich nämlich gerade: Sonnenbaden auf Deck 11 mit regelmäßiger Abkühlung im Whirlpool (der hat "nur" 26° und ist damit kühler als die Außentemperatur). Zwischendurch gibt's dann noch ein Stück Schwarzwälder-Kirsch und ein Stück von der leckeren Eierlikör-Sahne-Torte bevor es dann - nach etwas Lesen auf dem Balkon zum Abendessen geht (die ersten beiden Gänge nehme ich übrigens im Calypso zum Thema "Die schwimmenden Märkte der Antillen" gefolgt von Spare-Rips, Rumpsteak vom Grill und Hamburger zum Thema "Route 66" im Marktrestaurant - der leckere Hot-Dog geht aber beim besten Willen nicht mehr rein ...)

Während es im Theater heute in einer lebhaften Show um einige Jahrzehnte zurück in die Vergangenheit des Films geht, schaue ich mir lieber in der Ocean-Bar (Ihr ahnt es sicher schon: mit Caipi) die Passage der italienischen Stiefelspitze durch die nur 3,2 km breite Straße von Messina an.

Der Abend klingt heute mit etwas Fernsehen aus (neben ARD, ZDF, SAT1, RTL, PRO7 und N24 gibt es hier auch drei Schiffcams (Bug, Heck und Pooldeck) sowie den Infokanal von der Brücke ("Navigator's Log" mit Wetterdaten, Informationen zu Geschwindigkeit, Seegang, zur Fahrtroute usw.) und das tägliche AIDA-TV). Heute läuft nämlich ein Info-Film zur AIDAvita mit vielen Hintergrundinfos: ich weiß jetzt z.B., dass das Schiff mit einem Eigengewicht von 18.000 Tonnen über 200 m lang und fast 30 m breit ist, etwa 6 m im Wasser liegt und noch einmal 45 m herausschaut. Angetrieben wird es von mehreren Motoren, die zusammen über 25.000 PS leisten (und das Schiff damit auf rund 22 Knoten - entspricht knapp 41 km/h - beschleunigen können). Für den Antrieb (und die Stromversorgung an Bord) werden am Tag übrigens 120 Tonnen Schweröl benötigt und - noch eine interessante Information - die bordeigene Trinkwasseraufbereitungsanlage wandelt jeden Tag fast 900.000 Liter Meerwasser in Trinkwasser um. Und dann habe ich zum Abschluss noch eine interessante Zahl für Feuerwehrleute (und die es werden wollen): an Bord befinden sich 1.850 Rauchmelder und über 4.500 Sprinklerköpfe - na, da kann ja dann nichts schief gehen, so dass ich beruhigt einschlafen kann ...


[Nach oben]     [Startseite]     [4. Mai 2005: Der Untergang von Pompeji]