Mit der AIDAvita eine Woche durch das westliche Mittelmeer
- Tagebuch vom 29. April bis 6. Mai 2005 -


1. Mai 2005

Orient für Einsteiger

Tunesien



Heute Morgen ist es unserem Club-Direktor nicht gelungen, mich zu wecken - ich war nämlich schon vorher wach: um 6.24 Uhr ist heute Sonnenaufgang - und der will schließlich fotografiert werden. Es ist einfach traumhaft - pünktlich auf die Minute wagt sich die Sonne am Horizont hervor und taucht das Wasser in ein rötlich-warmes Licht. Kitschig oder nicht - mir gefällt's.

Kurz darauf läuft unser Schiff in den Hafen von La Goulette, etwa 20 km südlich von Tunis gelegen, ein. Ich nutze die Zeit zum Duschen, Frühstücken und Packen für den Landgang in Tunesien. Treffen hierzu ist um 8.30 Uhr im Theater - es gibt noch einige Hinweise, was man in Tunesien tun darf und was man besser lässt, wenn man am Abend mit der AIDA weiterfahren und nicht auf Staatskosten einen kleinen Zwangsaufenthalt einlegen möchte. Zunächst sind einige Formalitäten mit dem Zoll abzuwickeln (hierzu sitzt ein uniformiertes Männchen am Ausgang und stempelt Reisepässe und Tagesaufenthaltskarten routiniert ab), dann geht's in einen der zahlreichen bereitstehenden Busse. Ich habe den Ausflug "TUN02" gebucht - einen Halbtagesausflug nach Karthago und Sidi Bou Saïd.

Aus dem AIDA-Reiseführer: "Die alte punische Stadt Karthago in der Nähe von Tunis war einst so berühmt wie Rom. Die Ruinen der Stadt liegen verstreut auf einem riesigen Areal und wurden neuzeitlich überbaut. Inmitten der Gärten und Ruinen erheben sich elegante Villen und der weitläufige Präsidentenpalast. Trotzdem ist die Stadt der legendären Königin Dido heute eine faszinierende Ausgrabungsstätte mit Überresten eines Amphitheaters und der Antonius-Pius-Thermen. Ganze 15 Meter hoch sind die Säulen nur für das Dach des Frigodariums - das war der "Pool" zum Abkühlen."

Der komplette Ausflug wird im übrigen von einem tunesischen Reiseführer begleitet (er spricht aber fließend deutsch), der uns zu jeder Station ausführliche Erklärungen und Hintergrundinfos gibt - so macht Geschichte Spaß. so nebenbei kann er noch die eine oder andere Hürde in Form von tunesischen Aufsehern, Wärtern bzw. Eingangswachen aus dem Weg räumen, so dass auch das eine oder andere Foto möglich wird, das sonst nicht entstanden wäre (interessant in diesem Zusammenhang ist übrigens, dass die "Fotogebühr" nur in Form eines 1-Euro-Stücks entrichtet werden kann; zwei 50-Cent-Stücke werden nicht akzeptiert, da sie "nicht so wertvoll aussehen" wie das zweifarbige 1-Euro-Stück...

Nach der Besichtigung der verschiedenen Ausgrabungsstätten von Karthago geht es dann weiter nach Sidi Bou Saïd, das der AIDA-Reiseführer wie folgt beschreibt: "Voller Leben ist der ganz in Blauweiß gehaltene Künstlerort Sidi Bou Saïd. Die engen, gepflasterten Gässchen bezaubern mit ihren strahlend weißen Häusern mit blauen Türen, beschlagenen Toren, lasierten Dachziegeln und nach Jasmin duftenden Gärten. In der steil ansteigenden Hauptstraße geht es vorbei an Galerien, Souvenirläden und Cafés zum wohl bekanntesten Café Tunesiens: Café des Nattes! ... In Sidi Bou Saïd bieten sich unendlich viele Gelegenheiten, das Nationalgetränk Tunesiens zu probieren: Pfefferminztee oder Thé à la menthe, wie er hier heißt."

Und genau das tue ich auch - und: er schmeckt anders (ganz anders) als bei uns, aber nicht schlecht. Viele meiner Mitausflügler sehen das allerdings anders - wenn da mal was anders aussieht, riecht oder schmeckt als Zuhause ist es gleich schlechter. Warum diese Menschen eine Schiffsreise durchs Mittelmeer machen und nicht zu Hause mit dem Linienbus zwei Stationen weiter auf Entdeckungsreise gehen, bleibt ungeklärt...

Doch zurück zum Ausflug: Sidi Bou Saïd ist richtig schön. OK, es hat mehr Touristen als Einwohner. Dafür unzählige fliegende Händler (Ich-AGs?), die alles verkaufen, was nicht niet- und nagelfest ist. Ob man davon etwas braucht, sei einmal dahin gestellt - aber allein das Handeln auf deutsch, englisch und französisch macht Spaß. So kosten am Ende zehn Ansichtskarten zusammen ein Euro - laut Preisschild sollten zwei Karten 50 Cent kosten ... ;-)

Anschließend geht es zurück aufs Schiff - für was beim Verlassen die vielen Stempel gut waren, werden wir wohl nie erfahren - bei der Rückkehr werden sie jedenfalls nicht kontrolliert.

Der Rest des Nachmittags ist recht schnell beschrieben - nach einem kleinen Mittagessen (OK, waren auch wieder fünf Gänge) wird zunächst die Sonne ausgenutzt - 30° verführen zu einem Sonnenbad auf Deck 11, unterbrochen durch den einen oder anderen Sprung in den Whirlpool.

Die Ansichtskarten müssen natürlich auch noch geschrieben werden, sie sollen ja nicht viel später als ich zu Hause ankommen (Mein Gott, ich und Ansichtskarten schreiben ... normalerweise würde da eine eMail an den großen Verteiler gehen - aber ein besonderer Urlaub verlangt auch besondere Maßnahmen ...). Dabei bietet es sich natürlich an, einen schönen Kaffee zu trinken - und wenn ich sowieso schon im Calypso-Restaurant bin, kann auch noch ein Stück Erdbeer-Sahne-Torte auf den Teller (ich versprech's: nach meiner Rückkehr wird das alles wieder abtrainiert ...)

Vor dem Abendessen ist dann wieder die tägliche Ausflugpräsentation an der Reihe - dieses Mal für Catánia (Sizilien) am Mittwoch. Auch hier bleibt die Buchung unverändert - ich schaue mir den Ätna mal aus der Nähe an.

Der Tag neigt sich dem Ende entgegen, die Sonne entschwindet am Horizont (was zu einer deutlichen Reduzierung der Besucher in den Restaurants führt), so dass ich die Chance wahrnehmen kann, etwas aus den Themen "1000 und eine Nacht" bzw. "Lateinamerikanische Spezialitäten" zu mir zu nehmen. Den anschließenden Leerlauf nutze ich bei einem "Tropical" in der Nightfly Bar zum Zuschauen beim allabendlichen Bingo - ich glaube, ich muss irgendwann einmal auch mal die Jagd auf den Jackpot aufnehmen...

Bevor es dann zum Absacker (Ihr wisst schon: Caipirinha in meiner "Hausbar", der Ocean Bar auf Deck 7) kommt, ist noch etwas Kultur angesagt: im Theater gibt es heute die Show "One World" - eine musikalische Reise durch fünf Kontinente mit dem Show-Ensemble, Licht-, Laser- und Soundeffekten. Einfach Wahnsinn!


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